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Mut heißt dranbleiben

7. Oktober 2026 in Ordensgemeinschaft, Weltweit
Ordensschwestern und Gäste hörten beim Forum Weltkirche Mutgeschichten aus Brasilien, Mosambik und der Medienwelt.

Beim Forum Weltkirche im Bergkloster Bestwig sprachen Paula Bünger, Florian Vitello, Schwester Klara Maria Breuer und Ulrich Bock darüber, wo Mut entsteht und was ihn trägt.

Schwester Maria Ludwigis Bilo ist 100 Jahre alt. Ihren Geburtstag feierte sie vor kurzem im brasilianischen Leme. Am Tag darauf saß sie ab halb acht wieder im Sozialbüro und hörte zu. Vor der Tür erzählte ein Mann Schwester Klara Maria Breuer, wie sie ihm geholfen hatte: Er hatte eine Lungenentzündung und kein Geld für Medikamente. Schwester Maria Ludwigis gab es ihm.

Diese Geschichte brachte Schwester Klara Maria am Dienstag, 6. Oktober, zum Forum Weltkirche ins Bergkloster Bestwig mit. Das Thema des Abends war Mut. Für sie heißt Mut auch, an einer Sache festzuhalten. „Einfach schlicht, dran zu bleiben“, sagte sie. Schwester Maria Ludwigis arbeitet seit 68 Jahren in Brasilien.

Schwester Klara Maria ist Missionsprokuratorin der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel (SMMP). Sie hält den Kontakt zu den Ländern, in denen die Ordensgemeinschaft tätig ist, besonders nach Mosambik und Brasilien. Auf dem Podium sprang sie für Janis Arnecke ein. Der Notfallseelsorger und Träger des diesjährigen SMMP-Schulpreises hatte krankheitsbedingt abgesagt. Moderiert hat Ulrich Bock, operativer Leiter der Missionszentrale SMMP. Das Generalat der Ordensgemeinschaft hatte zu dem Abend eingeladen, der von der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung Südwestfalen (kefb) mitgetragen wurde..

Zum Einstieg verwies Bock auf eine Umfrage, nach der ein Drittel der Deutschen die Meinungsfreiheit eingeschränkt sieht. Nicht der Staat begrenze sie, sondern der Preis: Viele fürchteten um Freundschaften oder um ihren Platz im Kollegium. Mut bedeute deshalb, ein Risiko einzugehen, sagte Bock.

Gute Nachrichten im Lockdown

Der Kölner Journalist Florian Vitello gründete in der Corona-Pandemie das Good News Magazin. Den Anstoß gab sein Mitgründer David Gaedt. Er erzählte ohne Redaktion auf Facebook kleine Mut machende Geschichten, und über 50.000 Menschen folgten ihm. Im Lockdown bat Gaedt Vitello um einen Text über zehn Dinge, die an der Pandemie positiv sind. Nach drei Stunden hatte der Artikel 50.000 bis 60.000 Aufrufe.

Anfangs habe man sie ausgelacht, erzählte Vitello. Eine frühe Nominierung beim Preis „Goldene Blogger“ kam in der Kategorie „Flauscher des Jahres“. Heute erscheint das Magazin vor allem online, einmal im Quartal auch gedruckt. Es finanziert sich über Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen, ausgewählte Werbung und vor allem über Menschen, die es abonnieren.

Probleme blendet das Magazin nach seinen Worten nicht aus. „Wir reden über die Probleme, wir wechseln nur die Perspektive.“ Das Gehirn erkenne Gefahren zuerst, erklärte Vitello, und diesen Negativitätseffekt nutzten Medien, aber auch Kirchen, kirchliche Träger und Hilfsorganisationen. Leserinnen und Leser binde das auf Dauer nicht, denn er treffe jeden Tag Menschen, die gar keine Nachrichten mehr konsumieren.

Wie Meldungen die Wahrnehmung prägen, probierte er mit dem Publikum aus. Er fragte, wer es für relevant halte, wenn die Westfälische Rundschau über einen Motorradfahrer berichtet, der im Sauerland gegen einen Baum fährt und stirbt. Vier Hände gingen hoch. Ein Besucher begründete das mit dem regionalen Bezug. Vitello hält eine solche Meldung erst dann für relevant, wenn sich Unfälle an einer Stelle häufen und die Straßenführung auf den Prüfstand gehört. Sein Rat: Medien bewusster nutzen und sich in ein Thema lieber gründlich einlesen. Darum geht es auch in seinem Buch „Good News: Wie wir lernen, uns gegen die Flut schlechter Nachrichten zu wehren“.

Beim Forum Weltkirche im Bergkloster Bestwig diskutierten (v. l.) Paula Bünger, Ulrich Bock, Florian Vitello und Schwester Klara Maria Breuer.

Wenn Schulden den Haushalt auffressen

Paula Bünger lebte 2015/16 als Freiwillige im SMMP-Programm „Mitleben auf Zeit“ in Mosambik. Heute ist sie Projektreferentin beim Bündnis erlassjahr.de in Düsseldorf. Sie befasst sich mit Auslandsschulden, die Staaten oft in US-Dollar zurückzahlen müssen. Warum man sich mit so trockenen Finanzfragen beschäftigen sollte, beantwortete sie knapp: „weil es Menschen betrifft“.

Bünger zeigte Zahlen aus dem Schuldenreport 2026 von erlassjahr.de und Misereor. Danach zahlen 44 Staaten im globalen Süden mehr als 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen an ausländische Gläubiger. In 25 weiteren sind es über zehn Prozent. In Mosambik liegt der Anteil bei rund elf Prozent. Dort fehle das Geld für Schulen und Gesundheit, aber auch für den Schutz vor Klimakatastrophen, sagte Bünger. Zur Klimakrise habe das Land kaum beigetragen.

Erlassjahr.de fordert, nicht tragfähige und illegitim entstandene Schulden zu streichen. Verhandelt werden soll darüber unter dem Dach der Vereinten Nationen, wo jedes Land eine Stimme hat. Beim Internationalen Währungsfonds und bei der Weltbank richten sich die Stimmen nach den Beiträgen. Deutschland habe dort faktisch mehr Stimmen als alle Länder Afrikas zusammen, sagte Bünger. Von der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung im vergangenen Jahr in Sevilla seien viele enttäuscht zurückgekehrt, sagte Bünger. Die EU sei von den Forderungen des globalen Südens abgerückt.

Den Kern ihrer Arbeit beschrieb sie so: „uns ist ganz wichtig, dass es dabei um Gerechtigkeit geht, dass es um gerechte Strukturen geht“. Sie kritisierte, dass Entwicklungspolitik in Deutschland oft mit Eigeninteresse oder Großzügigkeit begründet werde. Mehr Mut wünscht sie sich auch von anderen Organisationen der Zivilgesellschaft. Sie sollten die Bundesregierung stärker in die Pflicht nehmen.

Getragen wird das Bündnis nach Angaben von Bock von rund 500 Gruppen. Viele sind seit 1999 oder 2000 dabei, werden älter oder hören auf. Erlassjahr.de geht deshalb gezielt auf jüngere Gruppen zu. Seit diesem Jahr ist Fridays for Future Düsseldorf Mitträger. Außerdem besucht die Geschäftsstelle interessierte Gruppen persönlich. „Lange Rede kurzer Sinn, der persönliche Kontakt und der persönliche Austausch“, sagte Bünger, darauf komme es an.

Tausend Brote am Tag

In Leme im Bundesstaat São Paulo war Schwester Klara Maria im August mit einer Delegation aus Deutschland, zu der auch Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow gehörte. Anlass waren der 100. Geburtstag von Schwester Maria Ludwigis und die Einweihung einer neuen Aula. Schwester Klara Maria zeigte Bilder von Capoeira-Kursen für Jugendliche aus Armenvierteln. Capoeira sei ein brasilianischer Kampftanz, bei dem man viel Kraft einsetze, sich aber nicht gegenseitig verletze, erklärte sie. Die Jugendlichen lernten, sich etwas zuzutrauen und einander zu respektieren.

Der Stadtteil Empyreo entstand aus einem sozialen Wohnungsbauprojekt ohne jede Infrastruktur. Die Schwestern bauten dort ein Sozialzentrum, lange der einzige Treffpunkt. Wenn kein Priester kam, feierten sie dort Wortgottesdienste. Heute lernen Frauen hier in einem mehrmonatigen Kurs backen, viele haben inzwischen Arbeit gefunden. Die Backgruppe backt täglich 1.000 Brote für die Schulen und Sozialeinrichtungen der Schwestern, darunter ein Altenheim.

In einem anderen Viertel galt eine Straße lange als Drogenumschlagplatz. Dort führt die Ordensgemeinschaft heute eine Außenstelle ihrer Schule mit 80 Schülerinnen und Schülern der Klassen 6 bis 9. Die Idee hatte Provinzoberin Schwester Aurora Tenfen schon vor vielen Jahren.

Für Vitello ist das ein Beispiel dafür, was Mut bedeutet: „Mut heißt, man bleibt dran, auch wenn man vielleicht erstmal Gegenwind bekommt.“

Anlaufstelle in Metarica

In Mosambik ist das Regionalhaus in Metarica Anlaufstelle für alle, die Rat oder Hilfe brauchen, auch für muslimische Nachbarinnen und Nachbarn. Wenn Zyklone die Ernte vernichten, können die Schwestern kurzfristig Lebensmittel bereitstellen. Schwestern und junge Frauen in der Ordensausbildung ziehen außerdem für einige Wochen in Außengemeinden im Hinterland. Dort geben sie Katechese, also Glaubensunterricht, und treffen sich mit Frauen und jungen Menschen.

Generaloberin Schwester Maria Thoma ergänzte aus dem Publikum, wie die Ordensgemeinschaft solche Projekte finanziert. Die Bergkloster Stiftung SMMP sammelt und verteilt seit 2007 Spenden. Gerade habe ein Kartenspielclub 1.400 Euro überwiesen. Hinzu kommen Mittel von Hilfswerken wie Renovabis und zunehmend Erbschaften und Vermächtnisse.

Schwester Maria Thoma erzählte auch von einem Alphabetisierungskurs für Frauen in Namétoria. Die Teilnehmerinnen wollten danach zusammenbleiben. Ihre Begründung gab sie so wieder: „wir brauchen uns jetzt gegenseitig, wir stützen uns gegenseitig“. Im Garten der Schwestern verdienen die Frauen ein kleines Geld, für viele das erste eigene.

Auch Schwester Maria Ignatia Langela trägt zur Finanzierung bei. Ihre Bilder und Skulpturen hängen und stehen inzwischen an 64 Orten in Deutschland. Den Preis bestimmen die Käuferinnen und Käufer selbst.

Gemeinsam an einem Tisch

Gegen Ende ging es darum, was Menschen zusammenbringt. Vitello erzählte von einer Gewerkschaft, einer kleinen Initiative und einem kirchlichen Verein. Alle drei setzten sich gegen ein Erstarken der AfD in Ostdeutschland ein. Doch jeder hatte Vorbehalte gegen die anderen: Der Aktivist lehnte die Kirche ab, der Gewerkschafter fand die Aktivisten zu links, den kirchlichen Vertreter störte ein gegenderter Text. Für Vitello entsteht Gemeinschaft über einfache Dinge wie gemeinsames Essen oder Sport. Bei Dreharbeiten in Uruguay habe ihm ein ehemaliger Verteidigungsminister erklärt, warum die Demokratie dort so stabil sei: „es ist halt schwer, jemanden zu hassen, wenn du ihn kennst“.

Schwester Klara Maria kennt das aus einer Essensstelle für Menschen in sozialer Not in Münster. Dort leistet sie einen Teil ihres Dienstes. Über 30 Ehrenamtliche helfen mit. Manche kommen aus dem kirchlichen Umfeld, andere glauben gar nicht. „Das ist alles so unwichtig. Das ist so unwichtig. Wir haben alle ein Ziel, wir wollen, dass unsere Gäste gut versorgt sind.“ Die Gäste säßen bunt gemischt an den Tischen und diskutierten über die Tageszeitung.

Achtsamkeit, Fürsorge, Teilen und Gemeinschaft nannte Bock urchristliche Werte, die an diesem Abend immer wieder anklangen. Zum Schluss erinnerte er an den Untertitel der Veranstaltung: wie man vom Reden zum Handeln kommt. „Also genug geredet, das haben wir jetzt über anderthalb Stunden getan, jetzt heißt es Handeln. Seien Sie mutig.“

Gelegenheit dazu gibt es sofort. Erlassjahr.de lädt noch bis zum 14. Oktober zu einer Aktionswoche in Berlin und online ein. Sie begleitet die Jahrestagung von Währungsfonds und Weltbank, die vom 12. bis 18. Oktober in Bangkok stattfindet. Den Abschluss bildet am 14. Oktober um 18 Uhr eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor.


Umfrage: „Darf man in Deutschland noch sagen, was man will?“

Eckdaten

  • Institut: ifak, ein Marktforschungsinstitut. Die Telefoninterviews hat die Rilaton GmbH geführt.
  • Auftraggeber: ANTENNE BAYERN, eine Reihe namens „Hand aufs Herz“.
  • Zeitraum: 27. Juli bis 22. August 2026.
  • Stichprobe: 1.000 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren, per Telefon befragt, mit Festnetz- und Handynummern (ADM-Dual-Frame). Die Ergebnisse sind repräsentativ gewichtet. Nur 159 Befragte kamen aus Bayern.
  • Frage: „Darf man in Deutschland noch sagen, was man will?“

Ergebnis

  • 25 % sagten „eher nicht“ und 8 % „überhaupt nicht“. Zusammen sind das 33 %.
  • 64 % sagten „ja, immer“ (21 %) oder „ja, meistens“ (43 %).
  • In Ostdeutschland waren 39 % skeptisch, in Westdeutschland 32 %, in Bayern 40 %. Der Wert für Bayern ist wegen der kleinen Gruppe ungenauer.

Zur Einordnung Gefragt wurde nach dem persönlichen Gefühl, nicht nach der Rechtslage. Auch andere Umfragen kommen auf „etwa ein Drittel“, haben aber andere Fragen gestellt:

  • Die Universität Mannheim (GIP) kam im Januar 2026 auf 29 %, die sich in der Öffentlichkeit (eher) unfrei fühlen.
  • Bei YouGov sah 2017 gut ein Drittel die Meinungsfreiheit gefährdet.

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Was den Glauben angeht, bin ich ein bisschen aus der Art geschlagenIch bin froh, dass ich nicht gleich nach dem Abitur ins Kloster gegangen binEs war wie Liebe auf den ersten BlickEigentlich wollte ich ganz viele KinderGeschehenlassen ist etwas rhythmisches

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