
Ein neuer Saal in Leme trägt ihren Namen. Am Sonntag weihte die Brasilianische Provinz der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel die neue Aula des pädagogischen Zentrums Sagrada Família ein. Über dem Eingang steht in großen Lettern: „Auditório Irmã Maria Ludwigis Bilo“. Zwei Tage zuvor, am 7. August, hatte Schwester Maria Ludwigis ihren 100. Geburtstag gefeiert.
Eine Delegation aus Deutschland war angereist, unter ihnen Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow. Zur Segnung strömten viele Menschen in das Gebäude: Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und Kirche, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen, Freunde und Bekannte.
Ein Bild ihres Lebens
Enthüllt wurden eine Plakette mit den Namen der Unterstützer und ein großes Wandgemälde. Es stammt vom selben Künstler, der die Kapelle im Convento ausgemalt hat. Mit viel Liebe zum Detail hat er wesentliche Stationen aus dem Leben von Schwester Maria Ludwigis eingefangen: links die Kinder, die sie jahrzehntelang in der Creche betreut hat, rechts die Häuser aus dem Projekt „Häuser statt Hütten“, das sie für die Menschen am Stadtrand gebaut hat. In der Mitte steht sie selbst, mit einem Kind.
Die Creche, eine Tagesstätte, entstand für die Kinder der Saisonarbeiter. Deren Eltern fuhren vor Tagesanbruch mit Bussen zur Ernte auf die Orangen-, Baumwoll- und Kaffeefelder und kamen erst am Abend zurück. Wer heute durch die Stadtviertel von Leme fährt, hört an vielen Stellen denselben Satz. „Das hat Sr. M. Ludwigis aufgebaut“, sagt Schwester Aurora dann.
Mit 100 Jahren im Dienst

Auch mit 100 Jahren versieht Schwester Maria Ludwigis täglich ihren Dienst im Büro. Sie schenkt den Menschen ihr Ohr und ihre Zuwendung und hilft mit materiellen Gütern, wo sie kann. Für sich selbst, sagt sie, braucht sie nichts mehr. Ihre größte Sorge gilt dem Hunger der Armen.
Immer wieder kommt sie zu Schwester Aurora, nicht um zu bitten, sondern mit einer Feststellung: „Die Armen haben keine Milch mehr.“ Dann weiß Schwester Aurora, was zu tun ist. Als Geschenk aus Deutschland soll Schwester Maria Ludwigis 100 Essenskörbe zur Verteilung bekommen. Die Provinz legt 100 Kisten Milch dazu – für den Morgenkaffee.
Ob ihr das Wandbild gefällt? Wie erwartet reagiert sie mit der bekannten abwehrenden Handbewegung und einem Kopfschütteln. Doch man sieht auch: Sie freut sich.
„Im Dienst Gottes ist nichts gering“
In nur sieben Monaten ist der Saal entstanden. 250 Stühle stehen im Raum, weitere 60 auf der Empore. Für die Lehnen haben die Frauen des Projektes „Mãos que fazem“ („Hände, die arbeiten“) blaue Bezüge genäht und in jeden ein rosafarbenes SMMP gestickt. Über der Bühne steht der Leitgedanke des Hauses: „No serviço de Deus nada é pequeno“ – „Im Dienst Gottes ist nichts gering“.
Die Aula ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Vier Priester und ein Diakon stehen am Altar, Hauptzelebrant ist Padre Dony, ein alter Freund von Schwester Maria Ludwigis. Vor Beginn zeichnet die Koordinatorin der Schule ihr Leben nach. Bei manchen Anwesenden fließen Tränen der Rührung.
Nach der Messe folgen die Ansprachen. Schwester Maria Thoma überreicht als Erste das Geschenk der Gäste aus Deutschland. Es sprechen die Provinz- und die Regionalkoordinatorin, Schwester Egidia und Schwester Leila, dazu der Polizeipräsident Neto. Schwester Klara Maria verliest den Glückwunschbrief des Bischofs von Limburg, dem Heimatbistum von Schwester Maria Ludwigis. Nach drei Stunden spricht Schwester Aurora aus, was viele denken: Alle haben jetzt Hunger.
Fotos, Torte und alte Freunde
Der Weg zum Mittagessen verzögert sich, denn jeder will ein Foto mit Schwester Maria Ludwigis. Sie hält mit bewundernswerter Ausdauer durch. Die Tafel ist reich gedeckt, die Stimmung fröhlich und gelöst. Unterhalten kann man sich kaum: Die Band, die schon die Messe begleitet hat, dreht voll auf.
Zur Torte kommen auch die Freunde, denen Schwester Maria Ludwigis morgens Kaffee, Brot und ein offenes Ohr schenkt. Etwas verschämt stehen sie in ihrer Nähe. Schwester Klara Maria entdeckt sie sofort und sorgt dafür, dass auch sie ein Stück bekommen.
Gegen 16 Uhr löst sich die Feier auf. Ein Tag, der reich gefüllt war. Und in seinem Mittelpunkt eine Frau, deren größte Sorge den Armen gilt.





