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Hoffnung ist Macht

8. Mai 2026 in Ordensgemeinschaft

Festvortrag von Eva-Maria McCormack beim Placida-Empfang im Bergkloster Heiligenstadt

Eva-Maria McCormack mit Weihbischof Dr. Reinhard Hauke und Generalboberin Schwester Maria Thoma Dikow.

„Aus Hoffnung wird Handeln. Hoffnung ist Macht.“ Mit dieser These schloss Eva-Maria McCormack am Donnerstagabend ihren Festvortrag beim Placida-Empfang in der Bergklosterkirche. Die Gründerin der Organisation Talking Hope warb für eine Hoffnung, die nicht im Privaten bleibt, sondern politisch wird.

Generaloberin Sr. Maria Thoma Dikow verwies in ihrer Begrüßungsansprache auf die Lage in Thüringen. Das Erstarken rechter Parteien und rechtsextremen Gedankenguts stelle die Frage nach der Demokratie existenziell. Die Schwestern wollten in ihren Schulen und Einrichtungen demokratisches Miteinander praktizieren – und „aus Hoffnung leben statt in Resignation verfallen“. Weihbischof Hauke leitete anschließend die Vesper.

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke leitete die Vesper.

Hoffnung ist keine rosarote Vision

McCormack räumte gleich zu Beginn mit einem Missverständnis auf. „Hoffnung heißt nicht, dass man keine Angst hat.“ Sie selbst lese morgens auch die Nachrichten und denke manchmal: „Also. Nein. Jetzt reicht’s.“ Hoffnung sei keine Stimmung, sondern eine Entscheidung – eine, „die Angst nicht wegdrückt, die aber dennoch auf Mut und Veränderung und Handeln setzt“.

Die zentrale These ihres Talking-Hope-Manifests stellte sie früh in den Raum: „Hoffnungslosigkeit ist politisch.“ Sie diene jenen, die kein Interesse an Veränderung hätten, und zementiere den Status quo. Dasselbe gelte für Zynismus – er sei „Feigheit und Faulheit im Angesicht der Probleme unserer Welt“.

Zahlen unterlegten ihre Diagnose: Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland fühle sich einsam. Drei Viertel der 16- bis 25-Jährigen weltweit blickten angesichts der Klimakrise mit Schrecken in die Zukunft. „Das ist eine Generation, die wir nicht verlieren dürfen.“

Eva-Maria McCormack, Gründerin der Berliner Organisation Talking Hope, hielt den Festvortrag in der Kapelle des Bergklosters Heiligenstadt.

Die Brille als Gebet

Veränderung geschehe selten nach Plan, sagte McCormack. Sie erzählte von Roger Bacon, einem Franziskanerbruder im 13. Jahrhundert. Für Bacon sei Licht ein Sinnbild Gottes gewesen. Aus seiner Beschäftigung mit Optik und Lichtbrechung sei nebenbei die Brille entstanden. „Wir tragen sozusagen Bacons Gebet auf der Nase.“

Ungewissheit sei deshalb „nicht nur Bedrohung, sie ist auch Handlungschance“. Den katholischen Denker Josef Pieper zitierte sie mit dem Satz: „Hoffnung ist die Tugend des Unterwegsseins.“ Wir lebten im Noch-nicht. Genau darin liege die Hoffnung.

Historische Clowns

Als „historische Clowns“ bezeichnete McCormack Menschen, die zu ihrer Zeit fehl am Platz wirkten – Rosa Parks etwa, die 1955 in Alabama ihren Sitzplatz im Bus nicht für eine weiße Person räumte. Oder die englische Suffragette Emmeline Pankhurst. Oder die Montagsdemonstranten, die 1989 auch im Eichsfeld auf die Straße gingen. Sie alle hatten einen Traum, der mit der Frage anfing: „Wie möchte ich leben?“

Besonders berührt habe sie, an diesem Pult einem Vorgänger zu folgen: Bischof Joachim Wanke, vor wenigen Wochen verstorben, habe die Friedliche Revolution seitens der katholischen Kirche geprägt und vor zehn Jahren beim Placida-Empfang über Barmherzigkeit gesprochen. Selbst riesige gesellschaftliche Verbesserungen seien möglich.

Raus aus den Bubbles

Veränderung komme nicht von oben, sondern von unten. McCormack berief sich auf den ghanaisch-amerikanischen Philosophen Kwame Anthony Appiah, der „moralische Revolutionen“ in vier Stufen beschreibt. Wer Demokratie und Nachhaltigkeit stärken wolle, müsse aus der eigenen Blase heraustreten – „raus aus den Social-Media-Echokammern, raus aus unseren Komfortzonen“. Den Schwestern bescheinigte sie eine Vorbildfunktion: „Raus aus der Kapelle, rein in die Welt.“

Vor allem aber gehe es ums Zuhören – gerade gegenüber jenen, die anders denken. „Verständigung beginnt mit Zuhören. Nicht mit Senden.“

Aus ihren zehn Jahren in Irland brachte McCormack ein Wort mit, das im Deutschen fehle: „Bothántaíocht“ – wörtlich „von Hütte zu Hütte gehen“. Es bezeichne den abendlichen Besuch beim Nachbarn, ohne Anliegen, ohne Tagesordnung. „Das ist Demokratie in ihrer kleinsten und gleichzeitig stärksten Form.“

Eine Metastudie der Universitäten Yale, Cambridge und Göteborg habe 2023 untersucht, was Menschen tatsächlich zur Verhaltensänderung bewege. Nicht Geld, nicht Informationskampagnen, nicht Druck von oben – sondern der Austausch unter Gleichen. „Veränderung wandert von Mensch zu Mensch – über Gartenzäune, Kaffeetische, Kirchenbänke, Kneipentheken und Vereinsversammlungen.“

Drei Impulse

Sr. Theresita Maria Müller umrahmte den Abend an der Harfe mit „Fairytale“ und „Moon River“.

Zum Schluss formulierte McCormack drei Impulse. Erstens: aus der eigenen Blase heraustreten und mit jemandem sprechen, den man sonst nicht ansprechen würde – „nicht um zu überzeugen, um zuzuhören“. Zweitens: der Begegnung im Alltagsraum vertrauen. „Der Flur, das Büro, die Einrichtung, dieser Kirchenraum – das sind die Räume, wo Demokratie entsteht.“ Drittens: öfter die Frage stellen, wie wir eigentlich leben wollen.

„Sehnsucht nach Morgen verändert das Heute“, schloss McCormack. Oder im Motto ihrer Organisation: „Imagine tomorrow, then change today.“

Beim anschließenden Buffet gab es viel Gelegenheit zum Austausch.

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Was den Glauben angeht, bin ich ein bisschen aus der Art geschlagenIch bin froh, dass ich nicht gleich nach dem Abitur ins Kloster gegangen binEs war wie Liebe auf den ersten BlickEigentlich wollte ich ganz viele KinderGeschehenlassen ist etwas rhythmisches

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