19 Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel feiern Ordensjubiläum im Bergkloster Bestwig

„Ich hatte nie Angst“, erinnerte sich Schwester Henrika Schlenkert beim Mittagessen. Zu DDR-Zeiten war sie zusammen mit einer Mitschwester regelmäßig von Kassel aus ins Bergkloster Heiligenstadt gefahren. Auf regelmäßigen Fahrten über die innerdeutsch Grenze brachten sie Güter mit, die im Osten nicht zu beschaffen waren. Heute feiert Schwester Henrika ihr 70. Ordensjubiläum.
Sie ist eine von 19 Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel, die den Festtag im Bergkloster Bestwig begingen. Die Jubiläen reichen von 40 bis 75 Jahren. Schwester Ancilla Placida Groß aus Wadersloh-Diestedde würde mit 75 Jahren das längste feiern. Aber die Gründerin der Altenpflegeschule in Geseke ist vor wenigen Tagen im Alter von 96 Jahren gestorben. Vier Schwestern blicken auf 70 Jahre zurück, fünf auf 65, vier auf 60, zwei auf 50 und drei auf 40 Jahre. Die Jubilarinnen leben in Bestwig, Wadersloh, Xanten, Heilbad Heiligenstadt und Berlin – aber auch in den Niederlanden, in Bolivien, Brasilien und Rumänien.
Eichsfeld, DDR und ein Sommer mit Rucksack
Auch Schwester Maria Magdalena Brüning, eine der beiden 50-Jahre-Jubilarinnen, stammt aus Heiligenstadt. Mit 20 Jahren trat sie in die Gemeinschaft ein. Das hatte zu DDR-Zeiten Folgen: Ihre Mutter, die in der Verwaltung arbeitete, bekam Ärger. Ihrer Schwester wurde der Studienplatz gestrichen.
Heute ist Schwester Maria Magdalena 70 Jahre alt und arbeitet weiterhin halbtags in einer Gemeinde in Heiligenstadt. Sie geht in Altenheime und bringt die Krankenkommunion. Eine ihrer Aufgaben heißt im Eichsfeld „Sprengeln“: Sie geht von Tür zu Tür und bietet Haussegnungen an. „Da bekomme ich auch viel Kirchenfrust und Wut mit“, sagt sie. Ihre Antwort: „Das finde ich auch doof, aber das ist ja nicht alles.“ Manchmal werde ihr die Tür vor der Nase zugeschlagen. Den Eichsfelder Jugendchor hat sie mitgegründet. Seit den 1990er Jahren wandert sie im Sommer eine Woche mit Kindern und Jugendlichen – mit Rucksack und Bibel.
„Liebt einander“
Den Festgottesdienst zelebrierte Pater Maurus Runge OSB. Konzelebranten waren Pfarrer Norbert Ketteler aus Sassenberg-Füchtorf, Propst Stefan Notz aus Xanten und Werner Spancken aus Bestwig.
In seiner Predigt knüpfte Pater Maurus an die beiden Lesungen an, in denen die Liebe im Mittelpunkt stand. „Liebt einander“ – das sei das größte Zeugnis, das eine zerrissene Welt heute brauche. Solche Liebe habe wenig mit Romantik zu tun, sondern „mit Arbeit, mit gelebter Treue im Alltag, mit dem Dabeibleiben auch dann, wenn es schwierig wird“.
In den vergangenen zwei Wochen sei er in Tansania und Kenia gewesen, berichtete Pater Maurus. Dort habe er erlebt, wie sich Menschen rund um christliche Gemeinschaften ansiedelten, weil sie merkten, da sei etwas vom Geist Jesu lebendig. Auch das internationale Studienhaus der Benediktiner in Nairobi, in dem Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammenleben, könne so „zum prophetischen Zeichen des Ordenslebens werden in einer Welt, die sich immer mehr in Eigeninteressen, Deals und Nationalismen verliert“.
Die Glückwünsche der Generaloberin
Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow gratulierte den Jubilarinnen auch im Namen der Provinzoberin Schwester Johanna Guthoff. Als Schwester Clementia und Schwester Henrika vor 70 Jahren eintraten, waren die jüngsten Jubilarinnen noch gar nicht geboren. Und doch verbinde alle die Erfahrung, den größten Teil ihres Lebens in der Gemeinschaft eingesetzt zu haben.
Die Glückwunschkarte zeigt in diesem Jahr ein Bild aus dem Fensterzyklus in Barfleur. Darauf spricht die noch jung wirkende Ordensgründerin Maria Magdalena Postel zu Frauen und jungen Mädchen, die ihr aufmerksam zuhören. „Gott zu lieben und ihn aus ganzer Kraft lieben zu lehren“ – darin sah Maria Magdalena Postel ihren Auftrag.
Wie unterschiedlich das in der Gegenwart aussehen könne, machte Schwester Maria Thoma deutlich: ob in der Schulklasse oder in der Küche, in Exerzitien oder im Musikunterricht, in der Verwaltung oder in der Seelsorge – überall dort hätten die Jubilarinnen ihren Auftrag erfüllt.
Die Jubilarinnen 2026
75 Jahre Ordensleben
Sr. Ancilla Placida Groß ✝, Wadersloh-Diestedde
70 Jahre Ordensleben
- Sr. Clementia Horstmann, Bestwig
- Sr. Henrika Schlenkert, Wadersloh-Diestedde
- Zr. Bonaventura Zweekhorst, Boxmeer (Niederlande)
- Hna. Juana Soliz Pérez, Cochabamba (Bolivien)
65 Jahre Ordensleben
- Sr. Adelheid Maria Lünne, Bestwig
- Sr. Maria Wensing, Bestwig
- Sr. Maria Brigitta Westerkofort, Bestwig
- Hna. Cristina María Salazar Guillén, Cochabamba (Bolivien)
- Ir. Anna Pereira, Leme (Brasilien)
60 Jahre Ordensleben
- Sr. Gratia Feldmann, Bestwig
- Sr. Maria Bernadette Knubel, Xanten
- Sr. Ignatia Nagel, Sat Schineni (Rumänien)
- Hna. Daría María Cabrera Valverde, Cochabamba (Bolivien)
50 Jahre Ordensleben
- Sr. Ursula Maria Lienker, Bestwig
- Sr. Maria Magdalena Brüning, Heilbad Heiligenstadt
40 Jahre Ordensleben
- Sr. Laetitia Müller, Bestwig
- Sr. Regina Maria Walter, Bestwig
- Sr. Petra Stelzner, Berlin











