
Am 13. März erlebte Münster einen Warnstreik im Busverkehr. Fahrten mehrerer Linien waren eingeschränkt. Auch Schulbusfahrten fielen aus. Ein Streik bedeutet Unterbrechung alltäglicher Routine. Er lässt spüren, wie sehr wir auf selbstverständlich geleistete Dienste angewiesen sind. Dabei macht es auch etwas aus, wie die Arbeit verrichtet wird: Der Busfahrer oder die Fahrerin merken, dass noch jemand zusteigen möchte und warten mit der Abfahrt.
Ist das selbstverständlich? Oder nicht doch ein Entgegenkommen, das Dankbarkeit weckt. Eltern sorgen für ihre Kinder, bereiten das Frühstück vor dem Schulbesuch, wuppen den Alltag zwischen Beruf und Haushalt. Selbstverständlich? Oder nicht doch tägliche Größe. Die Verkäuferin im Kaufhaus schaute von ihrer Arbeit auf und sagte mir freundlich, wo im Laden vielleicht noch Handschuhe zu finden wären. Dank ihres Tipps konnte ich diese für Gäste der Essensstelle besorgen. Der Hinweis der Verkäuferin: Selbstverständlich? Oder nicht doch Zeichen ihrer freundlichen Hilfsbereitschaft. Von stiller Wirksamkeit zeugen für mich unzählige Dienstleitungen und Gesten, die den Alltag leichter und heller machen. Darunter auch der Zuspruch: „Ich denke an dich.“ „Ich bete für dich.“ „Ich stecke ein Licht für dich an.“
An eine Frau, deren Leben von solch stiller Wirksamkeit spricht, denkt unsere Ordensgemeinschaft am 18. März. Es ist die selige Schwester Martha Le Bouteiller. 1816 in der Normandie geboren, trat sie 1841 in Saint-Sauveur-le-Vicomte in die von Maria Magdalena Postel gegründete Gemeinschaft ein. Ihr Arbeitsplatz war 28 Jahre lang der Vorratskeller der Abtei. Dort füllte Schwester Martha den Cidre für die täglichen Mahlzeiten in Tonkrüge und beförderte diese in den Speisesaal. Holte die leeren Krüge wieder ab. Reinigte sie. Füllte sie neu. Es war eine beschwerliche Arbeit. Tag um Tag. Doch die Weise, wie Martha Le Bouteiller sie ausübte, ist von einer Wirksamkeit, die bis heute berührt. Der Vorratskeller war mehr als ein Arbeitsplatz. Er war Ort des Gebets. Ort der stillen Begegnung Marthas mit ihrem Gott. Im Beten wurde sie wach und aufmerksam für die Freuden und Sorgen anderer. Die Angestellten des Mutterhauses merkten dies an der Freundlichkeit, mit der sich Schwester Martha ihrer Anliegen annahm. Die Schwestern spürten die besondere Atmosphäre im Vorratskeller.
Schwester Martha war eine weise Frau. Ihren Rat suchten Viele, so auch die zweite Generaloberin, Placida Viel. Wie viel Licht und weise Unterscheidung empfing unsere Gemeinschaft in ihrer Anfangszeit durch Schwester Martha! Welche Wege und Entscheidungen mag ihre stille Wirksamkeit mit gelenkt haben. Schwester Marthas Gedenktag erinnert daran, dass aufmerksames Dasein, Freundlichkeit, Fürsorge und Gebet für die Welt zum Segen werden. Auch heute. Gott sei Dank.
Schwester Klara Maria Breuer


