
„Friede, wo wohnst du?“ So fragt ein Lied. Die Strophen setzen das Fragen fort: „In unsrer Welt? In dieser Stadt? Bei uns Zuhaus?“ Kurt Weigels Liedtext erscheint aktueller denn je. Der schon vier Jahre währende Krieg in der Ukraine, das Aufflammen von Krieg im Nahen Osten und viele andere Konflikte weltweit zeigen, wie zerbrechlich Friede ist. „Friede, wo wohnst du?“ Wohnst du in unseren Häusern, in unseren Beziehungen, in unseren Herzen?
„Stille ist die Quelle des Gebetes und des Friedens“. Dieses „Friedenswort“ ist uns von der seligen Placida Viel überliefert. 1846, nach dem Tod der Ordensgründerin Maria Magdalena Postel, wurde sie deren Nachfolgerin in der Leitung der noch jungen Gemeinschaft. Am 4. März 1877 ist Placida Viel gestorben. So gilt der 4. März seit ihrer Seligsprechung als ihr Gedenktag.
Placida Viel hat Unfrieden, auch im nächsten Umfeld, erfahren. Ihre eigene Tante, Ökonomin und eine der ersten Schwestern der Gemeinschaft, erachtete die Nichte als ungeeignet für ihr Amt. Wenn Schwester Placida unterwegs war, suchte Tante Maria die Zügel in die Hand zu nehmen. Von Placida Viel heißt es, dass sie Demütigungen schweigend hinnahm, ging es um sie selbst. Doch dort, wo es die Gemeinschaft und das Wohl anderer betraf, setzte sie Entscheidungen mit Güte und Festigkeit durch. Friede wohnt dort, wo ein Mensch in sich zu ruhen gelernt hat. Von sich absehen und gleichermaßen zu seiner Stellung und Verantwortung stehen kann. Unterscheiden kann, wo es zu schweigen oder mutig zu reden und zu handeln gilt. Friede wohnt dort, wo ein Mensch authentisch ist: Echt, zuverlässig, verbindlich.
Placida Viel blieb auch die Erfahrung der zerstörerischen Folgen von Krieg nicht erspart. Im deutsch-französischen Krieg 1870-1871 wandelte sie die Abtei, das Mutterhaus in Saint-Sauveur-le-Vicomte, in ein Lazarett um. Tausende von Soldaten wurden dort gepflegt und versorgt. In diese Zeit fällt ein weiterer Satz Schwester Placidas, der aus tiefen inneren Quellen schöpft: „Geben wir freudig. Vertrauen wir der göttlichen Vorsehung, wie unsere verehrte Gründerin, und nichts wird uns fehlen.“ Placida Viels Leben hat sich in Grundhaltungen und Grunderfahrungen verdichtet, die bis heute wie ein Licht leuchten. Weil sie „authentisch“ sind.
„Friede, wo wohnst du?“ Friede wohnt dort, wo Selbstsucht und Eigeninteressen der Güte, Klarheit, Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit Platz machen. Wo im Herzen ein anderer Geist wohnt. Der Geist Jesu. Von ihm spricht Schwester Placidas Leben.
Schwester Klara Maria Breuer


