Spiritueller Impuls zum Fest der heiligen Maria Magdalena Postel
Diese Zahl ließ mich aufhorchen: 850 Millionen Videokameras seien in China installiert. So der Direktor des China-Zentrums in St. Augustin, Pater Martin Welling, zu Beginn seines Vortrags über die Situation der Kirche in China. „Und sie glauben doch!“ war die Veranstaltung mit dem Steyler Missionar Anfang Juli in Münster-Hiltrup überschrieben. In seinem Vortrag wurde der starke staatliche Einfluss auf die Religionen deutlich. Immer neue Bestimmungen engen die Ausübung von Religion ein. Bischöfe, Priester und Ordensleute sind angehalten, sich registrieren zu lassen. Eine Nationalkirche, statt Weltkirche, ist das Ziel. Die immer noch existierende Untergrundkirche ist starkem Druck ausgesetzt.

Während Pater Martin Welling historische Hintergründe und aktuelle Entwicklungen der Kirche in China ausführte, kamen mir vergleichbare Erfahrungen der Gründerin unserer Ordensgemeinschaft in den Sinn. Zu ihren Lebzeiten war die Kirche in den Jahren der Französischen Revolution großer Bedrängnis ausgesetzt. Priester, die sich nicht der Staatskirche anschlossen, wurden verfolgt. Vielen von ihnen ermöglichte Julie Postel durch geheime Abmachungen die Flucht nach England. Unter einem Treppenverschlag versteckte die spätere Ordensgründerin geweihte Hostien in ihrem Haus. Obgleich Soldaten das Haus in Barfleur mehrfach durchsuchten, entdeckten sie diesen Gebetsraum nicht. Julie Postel brachte die Kommunion unter Lebensgefahr zu Kranken und Sterbenden. Und bereitete im schützenden Dunkel der Nacht Kinder auf die Erstkommunion vor. Julie Postel war Katechetin, Säule der Gemeinde, die sich im Verborgenen zum Gottesdienst traf, und eine Frau unerschütterlichen Glaubens. „Gottvertrauen“ ließ sie später, als Schwester Maria Magdalena, in den Grundstein des ersten Mutterhauses ihrer 1807 gegründeten Gemeinschaft meißeln. „Gottvertrauen“ war dabei schon durch viele Wege, in leidvollen Zeiten, Fundament ihres eigenen Lebens geworden.
„Bitte vergesst uns nicht!“, zitierte Pater Martin Welling Christen, die heute in China Bedrängnis erfahren. Im Blick auf die Erfahrungen unserer Ordensgründerin hallt diese Bitte in mir nach. Wenn wir am 17. Juli das Fest der heiligen Maria Magdalena Postel begehen, denke ich dankbar an ihren standhaften Glauben und ihre Entschiedenheit, an die Kraft ihres Gebetes und die Tiefe ihrer Beziehung zu Gott. Glaubenszeuginnen und -zeugen, wie Maria Magdalena Postel damals und viele verfolgte Christinnen und Christen heute, sind das Gesicht einer Kirche, die auf das Evangelium gegründet ist. Sie ermutigen uns, an unseren Alltagsorten zu leben, was wir vom Evangelium begriffen haben. Mutig. Entschieden. Und mit Gottvertrauen.
Schwester Klara Maria Breuer


