Nathalie Rammert leitet die Pflegeinnovation bei der Seniorenhilfe SMMP. In der neuen Folge von „Postels Stimmen“ erzählt sie, wie eine KI-gestützte Sprachdokumentation den Alltag in den Senioreneinrichtungen verändert. Pflegekräfte dokumentieren jetzt direkt im Bewohnerzimmer statt am PC im Dienstzimmer. Die Idee dazu kam nicht aus der Chefetage – sondern von Mitarbeitenden, die sie von einer Messe mitbrachten. Außerdem: Warum Sensoren Stürze erkennen, wie ein Wohnbereich seine Dienstzeiten selbst bestimmt und was passiert, wenn man Pflegekräften einfach mal zutraut, Dinge neu zu denken.
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Irena Oberwald: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Postells Stimmen, der Podcast, in dem wir Menschen von SMMP eine Stimme geben. Heute sprechen wir ein wenig über Pflegeinnovation und ich darf Nathalie Rammert begrüßen. Hi, schön, dass du da bist.
Natalie Rammert: Hi, ich sage einmal ein paar Worte zu mir, Nathalie Rammert. Ich bin im Qualitätsmanagement, ich leite das Qualitätsmanagement und die Pflegeinnovation bei der Seniorenhilfe SMMP. Ich bin seit sechs Jahren ungefähr bei SMMP im Qualitätsmanagement angefangen.
Irena Oberwald: Ja, schön, dass du da bist. Dankeschön. Das ist sehr interessant. Kannst du uns so ein bisschen was über deine Rolle erzählen, also was so genau deine Aufgaben sind? Erzähl uns einfach ein bisschen was, dass die Hörer, Zuschauer ein paar Einblicke bekommen.
Natalie Rammert: Genau, also im Qualitätsmanagement ist ja das typische Qualitätsmanagement, dass wir halt wirklich ein QM-Handbuch haben, dass wir interne Audits durchführen. Das Ganze ist aber, würde ich jetzt sagen, sehr praxisnah und sehr kollegial. Wir haben viele Austauschtermine, viele Arbeitskreise, wo wir uns treffen, wo wir Sachen abstimmen. Das heißt, es ist nicht ein QM, was einfach von oben über gestülpt wird, sondern ein gelebtes QM. Wir haben derzeit ungefähr 1500 QM-Dokumente im Handbuch, die dann halt auch wirklich regelmäßig überarbeitet werden und immer wieder angepasst werden. Genau, im Bereich Pflegeinnovation ist es so, dass wir den Bereich jetzt gerade neu so auch betitelt haben. Vorher hieß es Projektmanagement. Im Projektmanagement ist es ja so, dass wir Projekte begleiten, also schon ab dem Wunsch des Projektes oder der Idee bis hin zur Umsetzung, dass es dann irgendwann in den Alltag gelangt. Wir haben aber ja jetzt bei uns im Bereich nicht alle Projekte, sondern halt wirklich die Projekte, die wirklich für die Pflege sind, also Pflegeinnovation. Deswegen haben wir es jetzt umbenannt, weil wir im Bereich Personalentwicklung oder so ja auch Projekte haben. Im Bereich Pflegeinnovation haben wir gerade sehr viele schöne, spannende Projekte. Natürlich auch viel zum Thema Digitalisierung, womit wir halt die Pflege unterstützen und vorantreiben wollen.
Irena Oberwald: Das hört sich wunderbar an. Sehr spannendes Thema. Hast du so ein paar Beispiele jetzt von einem optimalen Projekt, was wirklich gut angekommen ist, gut integriert ist in den Alltag und wirklich auch innovativ ist?
Natalie Rammert: Also wir haben jetzt quasi heute Start in der letzten stationären Einrichtung mit der sprachgesteuerten, KI-basierten Sprachdokumentation mit Voice. Das heißt, dann haben wir alle stationären Einrichtungen mit Voice ausgestattet. Wir haben 2023 im Appell mit dem Haus Maria in Geseke gestartet und da die Sprachdokumentation eingeführt und jetzt nach und nach halt die anderen Einrichtungen folgen lassen. Da bin ich sehr stolz drauf und da können wir auch alle sehr stolz drauf sein, vor allen Dingen auch die Mitarbeiter in den Einrichtungen, dass das so gut funktioniert und dass wir da so begeistert von sind. Mit der Sprachdokumentation ist es so, dass wir halt direkt vor Ort in den Patientenzimmer, Bewohnerzimmern dokumentieren können. Das wird sofort an das System weitergegeben und wir haben alle Dokumentationen, Pflegeberichtseinträge, Vitalzeichen direkt auch im System. Das heißt, wenn jetzt ein Doktor morgens zum Frühdienst kommt und will seine Runde drehen, sind alle Daten drin. Wir haben alle Vitalzeichen schon drin, wir haben alle Besonderheiten schon drin dokumentiert. Und das ist halt auch für die Mitarbeiter wichtig, dass die immer jederzeit den aktuellen Stand haben und nicht erst nochmal fragen müssen, Hey, Irena, wie war denn der Blutdruck? Ich muss das jetzt wissen, sondern dass es sofort aktuell drin ist. Das Besondere hier ist, wir haben eine KI hinterlegt. Das heißt, die KI filtert halt das Wichtigste raus, sortiert die Daten, die wir einsprechen, schon zu den einzelnen Bereichen, wo sie hingehören. Heißt, ich kann auch einen Sammeleintrag machen, ich kann ganz viele verschiedene Sachen gleichzeitig einsprechen und trotzdem filtert das System die Inhalte raus in die einzelnen Bereiche, wo sie reingehören. Das heißt, wenn ich Vitalzeichen plus Allgemeinzustand gleichzeitig reinspreche, würde er die Vitalzeichen halt bei Vitalzeichen dokumentieren und den Allgemeinzustand im Pflegebericht einzeln dokumentieren. Wir haben dann auch den Vorteil dadurch, dass da eine KI hinter ist, dass auch ein Akzent rausgefiltert werden kann, dass wir trotzdem, dass wir vielleicht nicht perfektes Deutsch sprechen oder Probleme haben, die vernünftige Aussprache hinzubekommen bei manchen Wörtern. Trotzdem filtert die KI dieses raus und macht dann halt vernünftige, grammatikalisch richtige Sätze in die Pflegedokumentation.
Irena Oberwald: Was ist, wenn Menschen kein Deutsch oder ganz gering Deutsch können? Kann der übersetzen oder wie funktioniert das dann?
Natalie Rammert: Die Übersetzungsfunktion haben wir derzeit nicht, also hat auch die Sprachdokumentation derzeit nicht. Das ist aber auch gar nicht so schlimm, weil wir möchten ja, dass die Menschen, die mit Voice dokumentieren oder die bei uns arbeiten, dass die auch Deutsch lernen. Das heißt, wir haben da Beispiele, wo Menschen halt wirklich noch nicht so gut Deutsch sprechen können, die sich dann halt ihr Handy mit ihrer Übersetzungs-App daneben legen, dann die Übersetzungs-App halt fragen und dadurch quasi durch die Spracheingabe Deutsch lernen. Das heißt, sie fragen das Handy, wie muss ich es übersetzen und sprechen es dann in unser System auf Deutsch ein. Auch wenn es nicht perfekt ausgesprochen wird, ist die KI ja dann da, um zu unterstützen.
Irena Oberwald: Perfekt. Ja, ich hätte noch, wie kontrolliert ihr das? Also es muss ja kontrolliert werden, wie viel Zeit wird gespart, nutzen es die Mitarbeiter? Ja, sonst ist es ja nicht so innovativ wie…
Natalie Rammert: Genau. Also wir haben uns am Anfang dazu entschieden, dass wir das ausprobieren und wir haben deswegen ja auch erstmal mit einer Einrichtung gestartet, Pilotprojekt. Haben aber sehr schnell gemerkt, dass sich das lohnt, dass wir da einen Mehrwert von haben und haben dann bereits im September mit der zweiten Einrichtung gestartet. Wir haben direkt, bevor wir mit Voice gestartet sind, haben wir eine Zeiterfassung gemacht. Das heißt, in der Einrichtung, 24 Stunden, wurde dokumentiert, wie viel Zeit brauche ich für die Pflegedokumentation. Also wie lange sitze ich am PC? Heißt, wir haben da die Uhren, die wir von der Corona-Zeit noch da hatten, für die Schnelltests haben wir wiederverwertet. Für diese Zeiterfassung haben die ins Dienstzimmer gestellt. Jeder hat seine Zeit gestoppt. Die Zeiten wurden erfasst, also wirklich dann Frühdienst, Spätdienst, Nachtdienst. Jeder hat einmal aufgeschrieben, wie viel Doku-Zeit er hatte, wo ja noch nicht mal die Wege zum Dienstzimmer hin mit dabei berücksichtigt sind. Das heißt, es ist wirklich nur reine Doku-Zeit. Und dann haben wir das Ganze regelmäßig in dem Projekt wiederholt. Das heißt, wir haben dann Werte gehabt, wie viel Zeit haben wir Ersparnis durch die Sprachdokumentation, durch das schnelle Einsprechen im Bewohnerzimmer. Und konnten jetzt schon nach kurzer Zeit, also wir sind jetzt ja über drei Jahre in dem Haus in Geseke dann mit Voice dabei. Und da haben wir eine Ersparnis von über sechs Stunden am Tag. Weil die Mitarbeiter nicht mehr ins Dienstzimmer gehen müssen, weil wir direkt dokumentieren können und weil wir nicht zum Dienstzimmer hin und dann ist das besetzt, wir laufen wieder zurück. Also auch diese Zeiten, das wird ja alles reduziert dadurch. Genau. Also wir erhoffen uns dadurch noch eine weitere Zeit Ersparnis und dass wir dann halt wirklich wieder mehr Zeit am Bewohner haben, am Bett haben. Ich meine, die meisten Leute, die in die Pflege gegangen sind, sind in die Pflege gegangen, um am Menschen zu arbeiten und nicht um zu dokumentieren und den ganzen Bürokratieaufwand zu haben. Gleichzeitig dazu haben wir aber nicht nur diese Zeiterfassung gemacht, sondern wir machen auch eine digitale Befragung der Mitarbeiter. Das läuft digital über einen QR-Code. Sechs einfache Fragen. Man kann ganz einfach anklicken, inwieweit entlastet mich Voice, inwieweit kann ich nach dem Dienst zum Beispiel besser abschalten, weil ich nicht die ganzen Arme vollgekritzelt habe und dann doch irgendeinen Wert noch vergessen habe, den ich nicht eingetragen habe und nochmal anrufen muss. Sondern einfach diese einfachen Erhebungen, wie hilft das wirklich unseren Mitarbeitern oder steigert das unsere Arbeitgeberattraktivität? Also das sind so Fragen, die dann in dieser Mentimeter-Befragung befragt werden. Und gleichzeitig machen wir auch noch eine Pflegegraderhebung. Das heißt, wir schauen uns ganz genau an, wie entwickeln sich die Pflegegrade in den Häusern. Das ist aber eher ein Langzeitziel. Also wir erhoffen uns durch die bessere Dokumentation, durch die lückenlose Dokumentation, dass wir dadurch auch besser, wenn jetzt der MD kommt und eine Pflegegraderhöhung ansteht, wir besser argumentieren können, warum derjenige einen höheren Pflegegrad braucht. Und das ist besonders dann wichtig, weil wir ja jetzt auch im Rahmen der Personalbemessung darüber sprechen, nach den Pflegegraden wird bestimmt, wie viele Qualifikationsniveau, zwei, vier, drei, egal, also vier wären dann die Fachkräfte, wie viele wir dann in unserem Dienst haben dürfen. Und wenn wir höhere Pflegegrade haben, dürfen wir auch oder bekommen wir auch mehr Qualifikationsniveau 4, also mehr Pflegekräfte refinanziert. Das ist halt wiederum das, wo wir sagen, wir brauchen mehr Leute, die sollen am Bett arbeiten, die sollen entlastet sein und in der Hoffnung, dass wir dann schnellere Pflegegraderhöhungen haben, den Bewohnern dadurch besser helfen können und dadurch einen besseren Personalschlüssel auch haben.
Irena Oberwald: Das ist ja ein wunderbares Beispiel. Jetzt würde mich allerdings auch nochmal interessieren, hast du auch ein Negativbeispiel? Also, was heißt negativ? Hast du irgendwas, was ihr als Projektinnovation gestartet habt und was überhaupt nicht lief oder was ihr wirklich einstellen musstet? Ideen?
Natalie Rammert: Also, einstellen mussten wir bisher nichts, aber ich kann sagen, dass es immer ein Riesenaufwand ist, diese Projekte voranzutreiben und dass es nicht geht, ohne die Einrichtung im Hintergrund zu haben und auch alle Mitarbeiter mitzunehmen. Also, das ist wirklich das A und O, egal welches Projekt man umsetzen möchte. Wir brauchen die Leute an der Basis und wir müssen die Leute an der Basis am Bett davon überzeugen, das zu nutzen. Also, ich kann den Menschen da die Handys hinlegen und sagen, hey, hier, das ist KI-gesteuert und das ist eine Sprachdokumentation, das entlastet euch. Es ist keine Routine. Die werden es liegen lassen, wenn es nicht funktioniert. Die werden da keinen Bock drauf haben. Die werden die Handys vergessen, weil sie sie sonst nicht mitgenommen haben. Also, wir haben jetzt jahrelang immer am PC dokumentiert. Das heißt, das Ganze, egal welche Projekte man hat, ist ein Prozess, wo man immer, immer wieder motivieren muss und immer wieder auch die Leute mitnehmen muss. Wir haben Projekte, wo wir auch am Anfang fragen, welche Einrichtung möchte mitmachen. Dass es wirklich darum geht, steht die Einrichtung dahinter. Wenn wir jetzt zum Beispiel darüber reden, wir würden irgendwo Robotik einsetzen wollen und da wäre eine Einrichtung, die würden sagen, um Gottes Willen, Robotik ist gar nichts für die Pflege und wir wollen am Bett bleiben, wir brauchen keine Roboterpflege, würden wir das da nicht machen. Das würde ja gar keinen Sinn machen. Also, das heißt, da immer wieder dran zu bleiben und was man immer wieder bedenken muss, es ist technisch, es ist neu, es sind oftmals Start-up-Unternehmen, mit denen muss man gut im Austausch sein. Da gibt es immer wieder Hürden, die nicht funktionieren. Also, wir haben ja auch unsere Sturzerkennung zum Beispiel, KI-gestützte Sturzerkennung und auch da gibt es immer wieder Hürden, dann funktioniert ein System nicht oder dann ist wieder Pause oder, oder, oder. Da muss man halt wirklich eng im Kontakt mit den Leuten sein, um zu sagen, das brauchen wir, das fehlt noch, das funktioniert nicht und dranbleiben.
Irena Oberwald: Wer kommt mit solchen Ideen, also, oder wer darf mit solchen Ideen kommen? Kann man euch einfach eine E-Mail schreiben, kann man sagen, oh, ich habe da was?
Natalie Rammert: Also, tatsächlich, die sprachgesteuerte Pflegedokumentation, die kam aus der Einrichtung in Geseke, deswegen haben wir auch in Geseke gestartet. Da haben die Mitarbeiter das von einer Messe mitgebracht und haben gesagt, hey, das wäre doch mal was. Also, tatsächlich, von den Mitarbeitern die Idee. Livycare, also die KI-gestützte Sturzdokumentation, die wir haben, der Raumsensor, der kam vom Geschäftsführer und von mir die Idee, aber auch erst als Idee, als Vorschlag in einer Führungskräftetagung, wo dann wirklich der Funke übergesprungen ist und Einrichtungen sich gemeldet haben und gesagt haben, sie wollen das. Also, das ist wirklich das A und O. Die Einrichtungen müssen es wollen, die Mitarbeiter müssen es wollen.
Irena Oberwald: Wunderbar, ja, hört sich sehr gut an. Jetzt ist es auch eine Kostenfrage. Also, ich denke, Ideen sind viele da, möchten umgesetzt werden. Warum zahlt der Träger das? Oder wie, es gibt so viele Träger, so viele Arbeitgeber, die sind noch lange, noch weit von Digitalisierung entfernt, noch sehr weit. Warum SMMP? Also, warum sind die da ganz vorne?
Natalie Rammert: Also, SMMP ist ein Träger, der Innovationen wirklich nicht stoppt, sondern wirklich auch vorantreibt. Da bin ich auch sehr zufrieden, deswegen habe ich mich auch mit für SMMP entschieden damals, weil hier darf man Ideen und neue Projekte ansprechen und wird nicht sofort so, oh Gott, das kostet so viel und nee, das machen wir nicht, sondern man überlegt, was hängt alles dran. Und gerade in der Pflege haben wir einen relativ schlechten Ruf. Die Arbeit ist jetzt nicht so dargestellt, wie sie in Wirklichkeit ist. Also, man kennt immer noch diese Bilder in den Medien, das typische Bettpfannen schleppen, es ist nicht so. Also, wir entwickeln uns da auch weiter. Und weil wir einen Fachkräftemangel überall haben, also in allen Einrichtungen, jeder kann davon sprechen, der in einer Pflegeeinrichtung arbeitet, dass Fachkräfte gesucht werden, müssen wir ja etwas tun, um diese Fachkräfte zu entlasten, zu unterstützen. Und klar kostet das erstmal Geld, aber wenn man dann weiterdenkt, was das alles macht, was das alles vielleicht bewirkt, also angefangen mit der Arbeitgeberattraktivität, dann die Unterstützung der Mitarbeiter, die besser, zufriedener nach Hause gehen können, die bei uns dann halt, ja, anders arbeiten können und die, die halt merken, hey, ich darf jetzt wieder am Menschen arbeiten und ich muss nicht die ganze Zeit im Dienstzimmer sitzen und dokumentieren. Und was ich dann noch weiterziehen würde, was man vielleicht jetzt nicht immer so eins zu eins evaluieren kann, aber vielleicht trägt es auch dazu bei, dass wir weniger Krankheitsquoten haben, dass die Mitarbeiter einfach nicht so schnell überlastet sind. Und wenn man dann weiter schaut, wie teuer ist eine Stelle, wenn jemand wirklich krank ist, was haben wir für Voice oder für andere Projekte ausgegeben, ist das ja dann das wert.
Irena Oberwald: Das stimmt. Ja, da gebe ich dir vollkommen recht. Prima. Ja. Hast du noch ein paar Beispiele, also noch ein paar andere Projekte? Wir hatten jetzt LevyCare, wir hatten Voice. Hast du noch was anderes Spannendes, vielleicht auch was, was noch so überhaupt gar nicht bekannt ist? Also, was haben wir so?
Natalie Rammert: Also, wir haben auch eine Einrichtung, die hat das Zertifikat zum Beispiel Pflegeattraktiv. Da sind wir jetzt seit zwei Jahren dabei. Wir haben das Zertifikat dort erlangt. Das ist ein Zertifikat, das man zeigt, man ist auf dem Weg, Pflege attraktiver zu machen. Und das ist ein Projekt, das machen wir im Haus St. Martin in Herthen-Westerholt, was aber jetzt nicht für uns gebunden nur am Haus St. Martin ist, sondern das Haus St. Martin, die Mitarbeiter im Haus St. Martin können dort mitbestimmen und mitentscheiden und mit die Projekte vorantreiben. Das heißt, wir haben in mehreren Veranstaltungen zusammen mit Pflege Zert Themen herausgearbeitet, also insgesamt sechs verschiedene Projekte herausgearbeitet, teilweise kleinere Projekte, teilweise größere Projekte, an denen wir arbeiten, an denen wir schauen, wie können wir da vorankommen. Ein Projekt ist zum Beispiel auch Arbeitszeitmodelle, das heißt, da geht es darum, dass wirklich ein Wohnbereich komplett selbst die Arbeitsdienste bestimmen konnte und überlegen konnte, macht es Sinn, immer noch so zu denken mit Frühdienst, Spätdienst, Nachtdienst oder müssen wir uns da lösen und müssen einfach mal komplett neu denken. Da ist eine Gruppe zum Beispiel dran und ich würde sagen, da hat man jetzt nicht immer so die Möglichkeit, bei solchen Projekten gerade mitzuwirken. und wenn da irgendwann Systeme entstehen, also wir haben jetzt auch schon eine Kommunikationsplattform oder auch einen Flyer zu der Bonus-App, die wir haben, so entwickelt, wenn diese Sachen dann entstehen, haben auch alle anderen Einrichtungen von uns dadurch einen Mehrwert. Das heißt, die dürfen natürlich auch diese Flyer benutzen, die dürfen natürlich auch von den Ergebnissen aus dem Haus Sankt Martin profitieren.
Irena Oberwald: Hört sich sehr, sehr spannend an. Macht eigentlich Lust auf mehr. Tatsächlich nähern uns aber so langsam den Ende. Die Zeit ist uns im Nacken sozusagen. Hast du irgendwas, was du noch sagen kannst? Also was du unbedingt über Pflegeinnovation, über deine Rolle, über dein, ja, warum du dafür brennst, weil das hört man, dass du dafür brennst, das brauchst du gar nicht sagen.
Natalie Rammert: Also was wichtig ist und was ich gerne allen Einrichtungen so mit auf den Weg geben würde, ist, dass man nie stehen bleiben sollte, dass man immer Mut zur Veränderung haben sollte, dass Veränderungen natürlich auch immer schwierig sind, das wissen wir alle. Also wenn wir schon alleine zu Hause in unserer Routine, wie wir zu Hause aufstehen und so etwas verändern, das braucht Zeit, bis das ankommt. Und das muss halt wirklich jeder wissen. Wenn ich ein Projekt anstrebe, reicht es nicht, die Projektidee da hinzulegen oder auch schon die fertig eingerichteten Handys oder sonst was hinzulegen und zu sagen, bitteschön, wir müssen immer wieder dranbleiben, wir müssen immer wieder motivieren, erinnern und immer wieder schauen, müssen wir vielleicht doch was verändern. Reicht das so, wie wir es derzeit haben, noch nicht, können wir noch weiter irgendwas verändern oder anpassen. Das ist ein wichtiger Punkt. Auch ein wichtiger Punkt ist auch immer zu schauen, welchen Anbieter braucht man, also was ist das Ziel, warum will ich jetzt KI, Digitalisierung einsetzen? Was ist das Ziel und das Ziel, gar nicht aus den Augen zu verlieren? Ich sage immer, wenn man heute stehen bleibt, ist man morgen von gestern. Deswegen immer so dieser Anspruch, immer weiter zu machen und immer wieder mit neuen Ideen zu kommen. Und wenn eine Idee noch erstmal so utopisch, wie auch immer aussieht, man sollte dranbleiben, man sollte überlegen, vielleicht ist es doch was für die ein oder andere Einrichtung.
Irena Oberwald: Nathalie, danke, toll. Vielen Dank für deinen wundervollen Beitrag, für dieses tolle Gespräch. Wirklich, es hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht und ich bin wieder ein bisschen schlauer geworden und ich denke, unsere Hörer auch. Ja, ich bedanke mich. Gerne. Und liebe Zuhörer, ich hoffe, es hat allen gefallen und wir hören uns beim nächsten Mal. Tschüss.
Dieses Transkript wurde mithilfe von NovaScribe und Claude erstellt.
Die nächste Folge erscheint am 9. Mai. Darin spricht Dani Korsch mit Schwester Theresita Maria. Die erzählt, warum sie auf erstaunlich wenig verzichtet hat und was es bedeutet, wenn eine Nonne bei Rot über die Ampel geht.


