
Natalie Rammert treibt bei der Seniorenhilfe SMMP Pflegeinnovation voran – von Prävention und sprachgesteuerter Doku bis zur ambulantisierten WG 2.0. Ihr Rezept? Mitreißen, dranbleiben, gemeinsam entscheiden.
„Ich kann als Einzelperson so stark sein, wie ich will – ich muss Leute mitziehen.“ Für Natalie Rammert ist das ein Arbeitsprinzip. Seit Oktober 2024 leitet sie bei der Seniorenhilfe SMMP den Bereich Qualitätsmanagement und Pflegeinnovation. Den Begriff „Pflegeinnovation“ habe der Träger bewusst gewählt. Was bedeutet das konkret? Zum Beispiel ein neuer Schwerpunkt: Prävention und Rehabilitation. Inspiriert vom Domino-Coaching-Ansatz aus Berlin, hinterfragt das Team, welche Aufgaben Pflegekräfte übernehmen, die Bewohnerinnen und Bewohner noch selbst könnten. „Bewegung statt Bingo“, sagt Rammert. Eine interne Ausschreibung läuft: Eine Senioren-WG mit zwölf Bewohnern soll den Ansatz testen – vom Bettenmachen bis zum aktiven Alltag. Oder die sprachgesteuerte Pflegedokumentation Voize, die in allen sechs stationären Häusern läuft. Der KI-basierte Raumsensor LivyCare ist in einer stationären Einrichtung und im Service Wohnen installiert, die nächsten Häuser stehen an. Parallel entstehen neue Wohn- und Versorgungsformen, bspw. eine weiterentwickelte Form der Senioren-WG, künftig als kleinere Wohngruppe mit acht Mietern, die sich im Alltag gegenseitig unterstützen. Oder ein ganz neues Projekt in Kooperation mit einem Investor: ein Bauernhof für generationenübergreifendes Wohnen. „Wir müssen die Pflege weiterentwickeln“, sagt Rammert.
Mit Geduld und Struktur
Wer kann Ideen einbringen und was passiert damit? Jede:r könne sich direkt an Rammert wenden, ohne Umweg über die PDL. Bevor ein Projekt startet, sammelt das Team Argumente, plant Mitarbeiterbefragungen, Zeiterfassungen und O-Töne. Bei der sprachgesteuerten Pflegedoku maßen die Häuser 24 Stunden lang die Dokumentationszeiten mit Stoppuhr am PC: vorher, nach einem Jahr, dann jährlich. Nicht jedes Projekt gelingt. Die 12-Stunden-Schicht ließ sich nicht umsetzen. Dafür schreibt ein Wohnbereich seinen Dienstplan eigenständig, ein anderer hat Teildienste eingeführt. „Wir geben oft zu schnell auf“, so Rammert.
Wir müssen die Pflege weiterentwickeln. Natalie Rammert
Ihr Team ist klein – vier Personen. Doch „wir“, das meint alle: Leitungen und Mitarbeitende in den Häusern. Über 1.100 Mitarbeitende, sechs Seniorenzentren, 14 WGs, vier ambulante Dienste und drei Tagespflegen zählt die Seniorenhilfe SMMP. Rammert selbst ist zweimal pro Woche im Büro, sonst unterwegs in den Einrichtungen.
Ihr Fazit? „Wenn die Leitung nicht dahintersteht und es keine Mitarbeiter vor Ort gibt, die dafür brennen, wird kein Projekt funktionieren.“ Was die Gründerin von SMMP, Maria Magdalena Postel (mit bürgerlichem Namen Julie Françoise Catherine Postel) 1807 in der Normandie vorlebte, nämlich als Einzelne Verbündete zu finden, um Großes und Gutes zu bewegen, ist für Rammert und ihr Team also bis heute Kompass ihrer Arbeit. Wie schön!
Susanne El-Nawab
Dieser Artikel erschien zuerst in Altenheim 10 | 2026, S. 14
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Zur Person
Natalie Rammert leitet seit 2024 den Bereich Qualitätsmanagement und Pflegeinnovation der Seniorenhilfe SMMP gGmbH in Wadersloh-Diestedde. Rammert war nach dem dualen Pflegestudium zunächst in Krankenhäusern tätig. Bei SMMP startete sie 2019. 2026 gewann sie den „Care for Innovation Award“. Die Seniorenhilfe SMMP gGmbH ist eine Tochtergesellschaft der SMMP und umfasst u. a. sechs Seniorenzentren (stationäre Pflege), 14 ambulant betreute Senioren-WGs, vier ambulante Pflegedienste, drei Tagespflegen. Trägerin sind die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel.


