
Schwester Ignatia gestand am Ende, sie habe zwischendurch vergessen zu atmen. Der Bonner Tänzer und Choreograph Felix Grützner hatte am Karfreitagabend in der Dreifaltigkeitskirche des Bergklosters Bestwig getanzt, gesprochen und das Publikum dabei in Atem gehalten – im wörtlichen Sinn.
„Ecce homo – Tanz, Text und Musik“ hieß der Abend, den Schwester Maria Ignatia Langela organisiert hatte. Seit 16 Jahren gestaltet sie die Kulturveranstaltungen am Karfreitagabend im Bergkloster. Rund 200 Besucher waren gekommen.




Der Kreuzweg als menschlicher Weg
Grützner zeigte kein Passionsspiel. Ihm ging es darum, im Tanz die menschliche, emotionale Seite des Kreuzwegs zu erfassen. „Der Kreuzweg enthält, was Menschen auch in ihrem Leben erfahren“, sagt er. „Ein Weg, der durch das Dunkel menschlicher Existenz führt, durch Leid und Schmerz, der aber auch Hoffnung aufscheinen lässt.“
Ecce homo, seht den Menschen – die Worte des Pilatus gaben dem Abend seinen Titel. In Textpassagen erzählte Grützner die Geschichte des Kreuzwegs und lenkte den Blick dabei immer wieder auf das Leid des einzelnen Menschen und der vielen. „Denken wir an die Qualen, die in diesem Augenblick Menschen von anderen Menschen angetan werden“, sagte er. „Die Kreuzigung des Menschen geht weiter. Seht den Menschen, wozu er fähig ist.“



Tanz, Text und Musik
Zwischen den gesprochenen Passagen tanzte Grützner. Elke Schroeder am Saxofon und Heiner Bartsch an der Orgel begleiteten ihn mit einem getragenen Motiv, das sich durch den ganzen Abend zog. Text, Tanz und Musik wechselten einander ab.
Grützner, 1964 in Düsseldorf geboren, studierte klassisches Ballett und Modern Dance. Den Tanz begreift er als inneres Einfühlen: „Ich suche nach eigenen Emotionen in mir und versuche, sie in der Bewegung über das rein Individuelle hinauszutragen.“







