
Gut 70 Menschen kamen am Donnerstagabend in den Felsensaal des Bergklosters Bestwig zur 50. Interreligiösen Meditation. Sie hörten Geschichten aus zehn Jahren, ein jüdisches Lied, ein Mantra und eine Sure. Und sie schwiegen 20 Minuten.
Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow erinnerte in ihrem Grußwort an ein Wort, das auf den Religionsphilosophen Romano Guardini zurückgehe: „Es sind die leisen Kräfte, die das Leben tragen.“ Genau so wirke die Initiative. „Sie ist keine lautstarke Aktion, sondern sie wirkt still, durchaus mit Öffentlichkeit nach außen, aber vor allem nach Innen.“ Ralf Péus, Bürgermeister a. D. der Gemeinde Bestwig, war beim ersten Treffen 2016 dabei. „Es waren 10 ereignisreiche Jahre, in denen sich die Welt nicht zum Besseren verändert hat“, sagte er. Das Miteinander sei letztlich das wirksamste Mittel dagegen.
Dreißig Minuten wären zu viel gewesen
Dr. Ahmet Arslan von der Fatih-Moschee Meschede beriet die Gruppe schon vor dem ersten Treffen. Geplant waren damals 30 Minuten Schweigen. Arslan riet ab: Im Islam werde beim Gebet nicht geschwiegen, und nach dem rituellen Gebet schwiegen Muslime höchstens zehn Minuten, sonst würden sie hibbelig. Die 20 Minuten, auf die man sich einigte, gelten bis heute. Auch das Kerzenmandala brachte beim ersten Besuch in der Moschee eine praktische Frage mit sich, nämlich die nach der Versicherung des Gebetsteppichs, falls er Feuer fängt. Seitdem stehen dort elektrische Kerzen.
Georg Funke war damals Integrationsbeauftragter der Gemeinde Bestwig. Er erinnerte an den Anschlag im November 2015 rund um das Stade de France in Saint-Denis. Danach hätten öffentliche Friedensgebete wieder Zulauf bekommen.

Pfarrer Burkhard Krieger von der evangelischen Auferstehungskirchengemeinde Bestwig-Olsberg kam anfangs als Vertreter seines Vorgängers. Evangelische Christen seien sehr wortzentriert, sagte er, die kritische Auslegung der Bibel spiele eine große Rolle, und umso mehr habe er es als Entlastung empfunden, nichts sagen zu müssen und 20 Minuten nicht-bezweckte Zeit zu erleben. Bodhimitra vom buddhistischen Zentrum der Gemeinschaft Triratna in Arnsberg verwies darauf, dass Meditation eine jahrtausendealte Praxis sei. „Wir als Buddhisten können hier etwas beitragen.“
Sevim Aydin, Nachfolgerin von Georg Funke als Integrationsbeauftragte und neu in der Initiativgruppe, kam aus einer ganz anderen Richtung: Meditation sei ihr völlig fremd gewesen. Über die Abende habe sie innere Ruhe entdeckt und andere Religionen kennengelernt.
Eine Stimme, die fehlt
Einen Punkt kann die Reihe nicht lösen. Von Anfang an waren Christen, Muslime und Buddhisten beteiligt, Juden nicht. „Ich bedaure sehr, dass es in unserer Umgebung keine Juden gibt“, sagte Schwester Maria Ignatia Langela. „Sie sind geflüchtet oder getötet, und die Überlebenden sind nicht wiedergekommen.“ An diesem Abend sang Albert Frohn ein jüdisches Schutzgebet, das die Erzengel Michael, Gabriel, Uriel und Raphael anruft.
Fladenbrot und Trauben
Schwester Theresita Maria führte in die Stille ein, diesmal mit Gedanken aus dem Buch „Die Wüste ist meine Kathedrale“ von Claude Rault, Bischof von Laghouat in der Sahara. Sevim Aydin stellte einen Teller mit Fladenbrot neben das Lichtmandala, Ulrich Bock einen Teller mit Trauben. Dazu gelegt wurde das Leben der Geschwister im Islam, im Judentum, im Buddhismus, im Hinduismus und im Christentum, ausdrücklich auch „das Leben der Suchenden und derer, die nicht mehr beten können oder wollen“.
Dann folgten 20 Minuten Stille. Danach stimmte Bodhimitra ein Mantra an, das alle wiederholten, und Dr. Arslan rezitierte eine Sure. Zwischen den Beiträgen schlug Susanne Weidlich eine Klangschale.
Zum Schluss sangen alle „Ubi caritas et amor“ und öffneten die Hände zum Lichtmandala hin. Mitglieder des Interkulturellen Chors sangen „I am sailing“. „Segeln wir gemeinsam heimwärts quer über unsere Lebensmeere“, sagte Schwester Maria Ignatia zum Abschied. Danach gab es zwei Suppen und Zwiebelkuchen.
Die 51. Interreligiöse Meditation findet am Donnerstag, 12. November 2026, um 19 Uhr in der evangelischen Stadtkirche in Brilon statt.







