
„Warum tun wir, was wir tun?“
Auf diese Frage suchten 25 Führungskräfte des SMMP-Verbundes Anfang Juni in der Normandie Antworten. Gemeinsam mit Schwester Maria Thoma, Schwester Adelgundis und Schwester Theresia begaben sie sich auf Spurensuche an den Lebens- und Wirkungsorten von Maria Magdalena Postel. Dort, wo die Ordensgründerin lebte, wirkte und hoffte, wurde Geschichte lebendig – und der Auftrag von SMMP neu erfahrbar.
Bereits am ersten Tag stand die Abtei Saint-Sauveur-le-Vicomte im Mittelpunkt. Schwester Theresia führte die Gruppe durch die Geschichte des Wiederaufbaus der ehemaligen Ruine. Schwester Adelgundis nahm die Teilnehmenden mit in die Zeit Maria Magdalenas, die am 28. November 1756 unter ihrem bürgerlichen Namen Julie Postel in dem Küstenstädtchen Barfleur geboren wurde. In der Gloriette, den ehemaligen Räumen der Ordensgründerin, wurde ihre Geschichte greifbar. Die Sonne tauchte die Abtei in warme Farben und ließ erahnen, warum dieser Ort bis heute eine besondere Ausstrahlung besitzt.

In Barfleur führte die Spurensuche zurück in die Kindheit der kleinen Julie Postel. Im Hause der ersten Schule wurde spürbar, welchen Gefahren und Herausforderungen sie während der Französischen Revolution begegnete. Hier unterrichtete sie Kinder, versteckte das Allerheiligste und unterstützte Priester auf der Flucht vor Verfolgung.

In Cherbourg besuchte die Gruppe den Ort, an dem Julie gemeinsam mit drei Gefährtinnen die Gemeinschaft der „Armen Töchter der Barmherzigkeit“ gründete. In der Dreifaltigkeitskirche sprach sie mit Pfarrer Cabart über ihr Vorhaben und nahm später den Namen Maria Magdalena an. Schon bald unterrichtete sie dort mehrere hundert Kinder.
Gottvertrauen trotz Rückschläge
Die Reise führte auch zu den schwierigen Kapiteln der Ordensgeschichte. In Octeville-l’Avenel besichtigten die Teilnehmenden den ehemaligen Stall, der der jungen Gemeinschaft zeitweise als Mutterhaus diente. Mit 30 Personen in dem engen Raum wurde spürbar, unter welch einfachen Bedingungen die Schwestern damals lebten, arbeiteten, lernten und beteten.

Auch Tamerville und Valognes erzählten von Rückschlägen. Eifersucht und Widerstände zwangen die Gemeinschaft immer wieder zum Aufbruch. In Valognes drohte das Werk sogar zu scheitern. Das sogenannte „Haus der Todesangst“ erinnert an diese Zeit. Heute wird es oft als „Haus der Auferstehung“ bezeichnet. Denn gerade dort zeigte sich die besondere Stärke Maria Magdalenas: Sie gab nicht auf. Sie vertraute darauf, dass ihr Weg Gottes Wille war.
Dieses Gottvertrauen prägte auch die Zeit in Saint-Sauveur-le-Vicomte. Dort fanden die Schwestern schließlich ein dauerhaftes Mutterhaus. Wer heute durch die Abtei geht, kann noch immer etwas von dem Mut und der Zuversicht spüren, die diesen Ort geprägt haben. Alte Bilder und Zeugnisse erzählen von einer Frau, die in jedem Menschen zuerst dessen Würde, Fähigkeiten und Möglichkeiten sah.
Den Auftrag neu verstehen
Für viele Führungskräfte wurde die Reise zu mehr als einer historischen Exkursion. Sie half, den eigenen Auftrag im SMMP-Verbund neu zu verstehen. Die Sorge für Kinder, Kranke, Arme und Hilfesuchende, das Vertrauen auf die Fähigkeiten anderer Menschen und der Mut, auch schwierige Wege zu gehen – all das prägt die Arbeit bis heute.
Besonders eindrücklich blieb vielen die gemeinsame Messe in der Abtei. In einem stillen Moment blickten sich die Teilnehmenden gegenseitig in die Augen – ohne Worte, ohne Vorurteile. Eine Erfahrung, die an einen Satz von Maria Magdalena Postel erinnerte, der bis heute aktuell ist:
„Wenn sie hundert Gesichter hätten, ich würde doch nur ihr schönstes anschauen.“

Vielleicht liegt genau darin das Vermächtnis der Ordensgründerin – und die Haltung, die den SMMP-Verbund bis heute prägt.























