SMMP zeichnet vier junge Menschen für ihr Engagement aus
Sie bleiben, wenn andere gehen. Sie helfen, wo Hilfe gefragt ist. Fünf Preisträger aus Schulen der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel haben den SMMP-Schulpreis für Engagement gewonnen – und gezeigt, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
„Die Preisträger, so Generaloberin Schwester Maria Thoma, erhalten für ihr Engagement nichts. Sie erhalten das Preisgeld für ihre Projekte.“ Keiner von uns kann alles tun, aber jeder von uns kann seine Fähigkeiten einbringen, so Schwester Maria Thoma. „Und das, was wir alle über unseren Job hinaus tun, ist das, was unsere Gesellschaft zusammenhält.“
Erster Preis: Bleiben, wenn alle gehen

Das Essen steht auf dem Tisch, die Kinder sitzen dabei – dann schrillt der Alarm. Janis Arnecke, 37 Jahre alt und Auszubildender zum Ergotherapeuten an der Bildungsakademie Bestwig, nimmt den Einsatz an. Vier Minuten später sitzt er im Auto.
Ich bin so froh den Mut gehabt zu haben, auszuprobieren ob ich diese ehrenamtliche Arbeit kann. Ich kann und sie bereichert mein Leben.
Janis Arnecke
Janis ist ehrenamtlicher Notfallseelsorger im Kreis Paderborn. Sein Team – 16 Menschen – ist 365 Tage im Jahr erreichbar. Über 100 Einsätze zählten sie allein im Jahr 2024: Verkehrsunfälle, Todesfälle, Suizide, häusliche Gewalt. Wenn Feuerwehr und Rettungsdienst abfahren, bleiben die Notfallseelsorger. Sie halten aus, hören zu, stabilisieren.
„Für andere Menschen da sein, wenn sonst keiner da ist“, schreibt Janis. „Dahin gehen, wo keiner hingehen würde.“ Er beschreibt seine Arbeit nüchtern und präzise – und gerade deshalb trifft er. Keine Standardsätze, kein Standardverhalten. Nur Menschlichkeit in den dunkelsten Momenten. Seine Motivation: Nächstenliebe. Sein Wunsch mit dem Preisgeld: Gruppenausflüge für sein Team, das ohne gegenseitiges Vertrauen nicht funktionieren könnte.
Zweiter Preis: Ein Verein für alle – nicht nur für Fußballer

Lea Hartmann ist 18 Jahre alt und geht ans Berufskolleg Bergkloster Bestwig. Sie engagiert sich seit über einem Jahr ehrenamtlich im TuS Petersborn Gudenhagen – einem Verein, der für viele lange vor allem eines war: die erste Fußballmannschaft.
Das wollte Lea ändern. Sie baute die Präsenz des Vereins in sozialen Medien aus, um zu zeigen, was der TuS wirklich ist: Garde, Tischtennis, Darts, Karneval. Gemeinschaft. Doch dann fiel ihr auf: Die Kinder kamen zu kurz. Viele wollten sich bewegen, dazugehören – aber nicht jedes Kind will Garde tanzen.
Also handelte Lea. Sie absolviert gerade die Ausbildung zur Jugendleiterin am Berufskolleg – und lernt in ihrer Freizeit zusätzlich Kindertrainerin. „Nur gemeinsam schaffen wir es, aus einem Sportverein eine echte Gemeinschaft zu machen“, schreibt sie. Rund 60 Kinder könnten von ihrem Einsatz profitieren. Das Preisgeld will sie vollständig in Sportausrüstung für den Nachwuchs stecken.
Dritter Preis (1): Sport verbindet – 44 Stationen, unzählige Lächeln
Sportsachen an und los – so begann für die Klassen RG2 und HP2 der Bergschule St. Elisabeth in Heilbad Heiligenstadt am 21. August 2025 ein besonderer Tag. Die Schülerinnen und Schüler der Realschule und der Physiotherapieausbildung unterstützten das 44. Behindertensportfest der Eichsfelder Werkstätten. Über 30 Stationen, Fußball, Tischtennis, Darts – und mittendrin Jugendliche, die Punkte notierten, Mut zusprachen und Medaillen herrichteten.
Wenige Wochen später, am 3. September, halfen dieselben Klassen beim 22. Special Olympics Landeswettbewerb Bowling in Heiligenstadt. Athletinnen und Athleten aus ganz Thüringen traten an – voller Herzblut und Ehrgeiz. „Wir durften Teil von etwas ganz Besonderem sein“, schreiben die Schülerinnen und Schüler in ihrer Bewerbung. Die Klassenlehrerinnen Caroline Gille und Verena Simon begleiten das Projekt seit fünf Jahren. Jedes Jahr wächst es. Jedes Jahr kommen neue Begegnungen hinzu, die bleiben.
Dritter Preis (2): Ein Ferienlager, das Kinder zusammenbringt





Nach Corona drohte das Kids Camp 1 des DJK Coesfeld einzuschlafen. Martina Gembalski, Schülerin der Bildungsakademie Canisiusstift in Ahaus, ließ das nicht zu. Gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian baute sie das Ferienlager neu auf: ein ehrenamtliches Team, zeitgemäße Angebote, öffentliche Aktionen auf Stadtfesten. Jahr für Jahr kamen mehr Kinder. Jahr für Jahr wuchs das Gemeinschaftsgefühl.
Das Camp läuft vollständig ehrenamtlich – Planung, Teamführung, Materialbeschaffung: alles in den Händen von Martina und Sebastian Gembalski. Ihr Antrieb: die Überzeugung, dass Kinder Gemeinschaft und positive Erlebnisse brauchen – gerade heute. Das Preisgeld soll in neues Spielmaterial und Inventar fließen, damit nicht nur das Kids Camp 1 profitiert, sondern alle fünf Freizeitmaßnahmen unter dem Dach des DJK Coesfeld.
Sonderpreis: Mit 14 den Verein ins Netz gebracht – mit 17 die Jugend übernommen
Laura aus Schmallenberg ist 17 Jahre alt und spielt im Musikverein Accordia Fleckenberg Klarinette – seit sie neun ist. Mit 14 übernahm sie den Instagram-Kanal des Vereins. Mit 15 brachte sie sich selbst Trompete bei, weil die Stimme unterbesetzt war. Inzwischen spielt sie Flügelhorn, sammelt Fotos und Videos, erstellt Jahresrückblicke – und hat den Posten der Jugendwartin übernommen.
Gemeinsam mit einer Freundin organisiert sie Probenwochenenden, Ausflüge und Weihnachtsfeiern für den Nachwuchs. Sie restauriert abgegebene Instrumente und gibt sie an Kinder weiter. Ihr Ziel: Den Kindern zeigen, was ein Verein sein kann. Nicht nur Musik. Gemeinschaft.
Engagement als Haltung
Die fünf Ausgezeichneten kennen sich nicht. Aber sie teilen eine Haltung: Sie warten nicht darauf, dass jemand anderes etwas tut. Sie fangen einfach an. Mit dem, was sie haben. Dort, wo sie sind.
Der SMMP-Schulpreis für Engagement würdigt genau das – junge Menschen, die zeigen, dass Miteinander kein Zufall ist, sondern eine Entscheidung. Der Preis wurde in diesem Jahr zum achten Mal vergeben, zwölf Bewerbungen sind hierzu eingegangen. Raphael Ittner, Geschäftsführer des Bereichs Bildung & Erziehungn ist zuversichtlich: „Angesichts der Zahl der Lernenden in unseren Einrichtungen geht das sicher noch mehr.“


