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Gute Führung beginnt mit Zuhören

23. Januar 2008 in Bildung & Erziehung, Gesundheitshilfe, Seniorenhilfe

Bestwig. Was macht christliche Führung aus? An welchen Modellen kann man sich dabei orientieren? Und wie gelingt es, diesem Anspruch angesichts zunehmenden wirtschaftlichen Drucks und schwindender zeitlicher Ressourcen gerecht zu werden? Diesen Fragen widmete sich ein Studientag der leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Einrichtungen und Diensten der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel am Dienstag, 23. Januar, im Bergkloster Bestwig.

Der Referent, Altabt Stephan Schröer aus der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede, konfrontierte das Plenum dabei mit den Thesen, die der heilige Benedikt bis zu seinem Tod 547 n. Chr. aufgestellt hat – und die sich in vielen Fällen auch auf heutige Verhältnisse übertragen lassen. Zum Beispiel, das Zuhören und die Reflexion des eigenen Tuns neu zu lernen…

Benedikt rät zu „weiser Mäßigung“

Das Hören sei für Benedikt in dreierlei Weise eine zentrale Tugend: „Hören auf das Geheimnis Gottes, Hören auf die Menschen, mit denen wir arbeiten, und das Hören in sich selbst hinein.“ Gerade in der heutigen, schnelllebigen und immer hektischeren Zeit, sei es wichtig, sich dafür Zeit zu nehmen. Das Innehalten und die „weise Mäßigung“ seien für Benedikt von zentraler Bedeutung. „Auch er hat in einer lauten Zeit gelebt“, machte Abt Stephan deutlich: Er studierte in dem Rom des zerfallenen römischen Reiches, zog sich dann als Aussteiger in die Einsamkeit zurück und gründete schließlich seine eigene Gemeinschaft. Die für das Zusammenleben und Arbeiten der Benediktiner aufgestellten 72 Regeln hätten bis heute Geltung – und erfreuten sich gerade jetzt wieder hoher Aufmerksamkeit. So auch, dass ein Abt als „Führungskraft“ danach trachten solle mehr geliebt, denn gefürchtet zu werden und neben dem entschlossenen Ernst des Meisters die liebevolle Güte des Vaters zu zeigen.

Führung als „Dienst“

Führung sei für Benedikt vor allem ein Dienst und keine Herrschaft. Entsprechend heißt es in seinen Regeln: „Der Abt zeige mehr durch Beispiele als durch Worte, was wichtig ist.“ Und bei schwierigen Entscheidungen sei der Rat aller einzuholen – „denn oft offenbart sich Gott in einem Jüngeren“.

Für dieses Führungsverständnis habe Jesus mit der Fußwaschung ein eindrucksvolles Beispiel gegeben: „Da hat er sich tief vor der Würde jedes Einzelnen verbeugt – und daraus können wir lernen“, so der Altabt. Er fragte: „Wie gehen wir mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um? Hören wir Ihnen zu? Kennen wir Ihre Probleme? Wie lösen wir sie…?“

Und – ausgehend von den Regeln des hl. Benedikt – stellte er auch Fragen zu der eigenen Belastbarkeit und Arbeitsstruktur: „Habe ich meinen Alltag im Blick? Ist meine Tagesordnung ausgeglichen? Oder flüchte ich in meine Arbeit? Was motiviert mich? Und wie halte ich diese Motivation wach?“ Das Privatleben müsse mit dem Arbeitstag im Enklang stehen. Daher appellierte Altabt Stephan auch nachzuhorchen, „ob ich überhaupt noch genießen kann? Gönne ich mir Pausen? Und muss ich immer erreichbar sein? Kann ich rechtzeitig anfangen und aufhören…?“

Pausen, um Kraft zu schöpfen

Dass sich das benediktinische Ideal von sieben Stunden Arbeit, drei Stunden Lesung und drei Stunden Muße am Tag in Betrieben nicht ohne weiteres umsetzen ließe, war auch Altabt Stephan klar. Dennoch gebe es in diesem strukturierten Tagesablauf viele Elemente, die man sich abschauen könne: „Ich selbst zum Beispiel gehe um 12 Uhr zum Mittagsgebet, auch wenn es mich mitten aus meiner Arbeit herausreißt. Und beim Essen schweigen wir. Das fällt schwer, aber hinterher merke ich, dass mir das für den Rest des Arbeitstages gut tut. Und der dauert meist noch sehr lang…“

25 Jahre – von 1976 bis 2001 – stand Abt Stephan Schröer der Abtei Königsmünster in Meschede vor. Er ist Bankkaufmann, Diplom-Kaufmann und Theologe. Der Abtei gehören 60 Mitbrüder an. Außerdem ist die Abtei Träger eines Gymnasiums, des Jugendhauses „Oase“ sowie mehrerer Kleinbetriebe wie der Landwirtschaft, der Buchbinderei oder der Bäckerei. Darüber hinaus unterhält die Abtei in Meschede mehrere Missionsstützpunkte im Ausland und eine kleinere Niederlassung in Hannover. Heute berät Altabt Stephan Unternehmen und Führungskräfte sowohl aus dem kirchlichen als auch nicht kirchlichem Bereich.

Austausch in Kleingruppen

Nach dem lebendigen und spannenden Impulsreferat tauschten sich die mehr als 50 leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Einrichtungen und Diensten in Untergruppen über die Thesen und Fragen des Benediktiners aus. Daraus ergaben sich auch Fragen an Geschäftsführer Ludger Dabrock sowie die Geschäftsfeldleiter Andrea Marx (Seniorenhilfe) und Michael Bünger (Bildung und Erziehung).

„Spannungen nehmen noch zu“

Ohne Umschweife machte Ludger Dabrock klar: „Die Spannungen zwischen Anspruch und Wirtschaftlichkeit werden anhalten, sich sogar noch zuspitzen.“ Jüngstes Beispiel seien die gekürzten Fördermittel an die Ersatzschulträger in Thüringen, was die Bergschulen St. Elisabeth vor neue Herausforderungen stelle. Wirtschaftlichkeit dürfe man aber auch nicht so definieren, dass alles immer weiter ins Plus fahren müsse, betonte der Geschäftsführer: „Es wird immer Bereiche geben, die zwar keine Gewinne einfahren, die uns aber wichtig sind und die wir deshalb weiter tragen.“ Hoffnungen im Hinblick auf die finanziellen Ressourcen setzt er vor allem auf das Fundraising: „Das betreiben wir jetzt schon sehr erfolgreich für die Missionsarbeit der Schwestern. Und es sollte uns gelingen, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie auch unsere Anliegen und Aufgaben in Deutschland mit unterstützen.“

Christliche Fürsorgepflicht

Wichtig sei zudem, dass man die eigenen Mitarbeiter im Blick behalte: „Wenn jemand in eine Phase gesundheitlicher Risiken gerät, haben wir etwas falsch gemacht. Wir müssen handeln, wenn wir merken, dass jemand krank wird“, so Ludger Dabrock. Dieser Fürsorgepflicht müsse sich gerade ein kirchlicher Träger bewusst sein. Was auch bedeute: sich Zeit zu nehmen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen – und zuzuhören.

Vorsätze und Wünsche, die auch in der abschließenden Eucharistiefeier in der Krypta der Dreifaltigkeitskirche noch einmal ausgesprochen wurden.


Zu den Fotos:
Provinzoberin Schwester Pia Elisabeth Hellrung begrüßt zunächst die mehr als 50 leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Einrichtungen und Diensten. Dann hält Altabt Stephan Schröer sein Impulsreferat zu der Frage, was wir im Hinblick auf ein christliches Führungsverständnis vom hl. Benedikt lernen können. Abschließend gab es einen Austausch im Plenum mit Rückfragen an den Abt, aber auch an Geschäftsführer Ludger Dabrock sowie die Geschäftsfeldleiter Andrea Marx und Michael Bünger. Alle Fotos: SMMP

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