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„Wir müssen auch von Atheisten lernen“

17. Mai 2013 in Ordensgemeinschaft
Bischof Franz-Josef Bode: „Getaufte, Gefirmte, Gesandte, Beauftragte und Geweihte könnten gleichberechtigt daran mitwirken In der Kirche geht nichts ohne ein Wir.“ (Foto: SMMP/Beer)
Bischof Franz-Josef Bode: „Getaufte, Gefirmte, Gesandte, Beauftragte und Geweihte könnten gleichberechtigt daran mitwirken In der Kirche geht nichts ohne ein Wir.“

Bischof Franz-Josef Bode plädiert in Heiligenstadt für weite Öffnung der Kirche

Beim Placida-Empfang am Donnerstagabend im Bergkloster Heiligenstadt analysierte der langjährige deutsche Jugendbischof und jetzige Diözesanbischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, mit klaren Worten die Situation der katholischen Kirche: „Bei der Schaffung immer größerer pastoraler Einheiten wird es in den nächsten Jahren darum gehen, die Balance zwischen Größe und Nähe zu wahren. Denn die Individualität und Tiefe der Angebote vor Ort darf nicht verloren gehen.“

Daher appellierte der Bischof vor den über 150 Ordensschwestern, Mitarbeitern der Gemeinschaft, Freunden und Förderern: „An vielen Stellen müssen wir die Abhängigkeit vom Priestertum und vielleicht auch von der Hauptamtlichkeit überwinden.“ Kirche werde in Zukunft nicht mehr Volkskirche sein und die Gesellschaft keine christentümliche Prägung mehr haben: „Und dennoch gibt es vieles, was sich in kleinen Gruppen entwickeln kann. Das sind ‚Selbsthilfegruppen des Glaubens‘. Die müssen wir fördern und pflegen.“

Er betonte: „Getaufte, Gefirmte, Gesandte, Beauftragte und Geweihte könnten gleichberechtigt daran mitwirken. In der Kirche geht nichts ohne ein Wir.“

„Jeder spürte, dass etwas Besonderes geschah“

Bischof Bode und Rektor Bernd Kucklick feierten zu Beginn des Placida-Empfangs mit den Schwestern und ihren Gästen die Vesper. (Foto: SMMP/Beer)
Bischof Bode und Rektor Bernd Kucklick feierten zu Beginn des Placida-Empfangs mit den Schwestern und ihren Gästen die Vesper.

Bischof Bode kennt die Generaloberin der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel, Schwester Aloisia Höing, aus seiner früheren Tätigkeit im Erzbistum Paderborn. Er war Präses des Priesterseminars und Schwester Aloisia Noviziatsleiterin im Bergkloster Bestwig. Gemeinsam engagierten sie sich in einer Arbeitsgruppe des Bistums für die Neuausrichtung der Berufungspastoral. Daher nahm der Bischof die Einladung zum Placida-Empfang, der an die Gründerin der deutschen Kongregation erinnert, gern an.

Seinen Vortrag stellte er unter das Thema des 50. Geburtstages des Zweiten Vatikanischen Konzils. Als das 1962 begann, war der heutige Bischof elf Jahre alt: „Und jeder hier im Land spürte, dass da etwas ganz Besonderes passiert. Ob katholisch oder evangelisch, kirchlich engagiert oder kirchenfern.“

„Wahl von Papst Franziskus ist ein wichtiges Zeichen“

Zunächst habe man gedacht, das Konzil sei nach einigen Wochen zu Ende – „dann aber kamen ganz neue Punkte auf die Tagesordnung und es dauerte Jahre.“ So wirke in der Katholischen Kirche immer wieder der Heilige Geist. Ein Zitat von Papst Johannes XXIII. ist Bischof Bode dabei noch besonders im Ohr: „Man muss die verborgenen Pläne der göttlichen Vorsehung anerkennen.“

Für die musikalische Umrahmung sorgten der Leiter der Bergschule St. Elisabeth, Heinz-Peter Kaes (Klavier) und seine Frau Andrea (Querflöte). (Foto: SMMP/Beer)
Für die musikalische Umrahmung sorgten der Leiter der Bergschule St. Elisabeth, Heinz-Peter Kaes (Klavier) und seine Frau Andrea (Querflöte).

Dies bezog er nicht nur auf das Konzil, sondern auf die großen Krisen im Zeitalter des Kalten Krieges der 60er Jahre: „Deshalb müssen wir auch in der heutigen Zeit, wo sich so viele von der Kirche abwenden, Zeichen des Heiligen Geistes suchen: Die Wahl von Papst Franziskus ist wahrscheinlich ein solches Zeichen. Eine späte Erfüllung dessen, was das Konzil wollte: Weltkirche sein.“

Das Konzil habe das Zugehen auf die Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Es habe keine Verurteilungen formuliert wie vergangenen Konzile, sondern Konstitutionen im Sinne einer Vergewisserung für die Zukunft geschaffen. In diesem Sinne seien viele Ziele noch gar nicht erreicht, viele Möglichkeiten dessen, was die Konstitutionen erlauben, noch gar nicht ausgeschöpft.

„Wir sind keine Buchreligion“

Etwa indem man festgehalten habe, dass die Bibel nicht wörtlich zu nehmen ist, so Bode: „Wir sind keine Buchreligion. Wenn wir uns mit der Bibel auseinandersetzen, treten wir nicht in archäologische Studien ein, sondern in einen Dialog. Aber wie sieht es heute mit dem Bibelteilen aus? Kein Buch hält doch soviel verdichtete Erfahrung bereit.“

Bode erinnerte an den Apostel Paulus, der seinen Zuhörern sagte, dass er sie nicht nur am Evangelium, sondern an seinem Leben teilhaben lassen wolle: „Das sollte die Grundlage unserer Pastoral heute sein.“

Auch im Ringen der Jünger um die Verbreitung des Christentums sieht Bode ein wichtiges Signal für die heutige Zeit. „Es ging darum, ob man erst Jude werden muss, um Mitglied der Kirche zu sein. Dann wäre das, was heute das Christentum ist, vermutlich eine Sekte geblieben. Aber es kam anders. Was müssen das für Diskussionen gewesen sein?“, fragt sich der Osnabrücker Bischof. Und er fügte hinzu: „Wären die pastoralen Prozesse heute von einer solchen Dynamik geprägt, wäre viel für die Zukunft der Kirche gewonnen.“

Viel Diskussionsstoff beim abschließenden Imbiss - und der Wunsch, noch mehr zu hören. (Foto: SMMP/Beer)
Viel Diskussionsstoff beim abschließenden Imbiss – und der Wunsch, noch mehr zu hören.

„Eine große Herausforderung für alle“

Kirche müsse in ihrer heutigen Situation unbedingt von Andersdenkenden lernen: „Selbst von Atheisten. Denn auch sie sind in der Lage ethische Werte zu entwickeln, die zu einem gelingenden Leben führen.“ Das erfordere viel Dynamik, entsprechend dem Bild vom Volk unterwegs aus der Bibel. Wobei auch Bischof Bode klar ist, dass dies eine große Herausforderung und oft eine Belastung sei: „Wir spüren eine Sehnsucht nach Öffnung und Weite. Gleichzeitig müssen wir viele Strukturen aufgeben, die uns Halt gegeben haben. Das macht die Stimmung diffus.“

Aber der Blick müsse über die Kirche hinausgehen, auf das, was sie erreichen und bewirken will. „Im Grunde gehe es in unserem Leben und in unserer Gesellschaft darum, die drei Haushalte Ökonomie, Ökologie und Ökumene – letzteres im Sinne eines Miteinanders aller Kulturen und Religionen – im Gleichgewicht zu halten. Und genau dazu können wir als Christen viel beitragen.“

Viel Diskussionsstoff

Diese Worte fanden bei den über 150 Gästen viel Beifall. Und anschließend wurde bei einem Imbiss der Klosterküche noch lange über den Vortrag gesprochen. Diskussionsansätze hat er reichlich geliefert. So viel, dass Schwester Aloisia in ihrem Dank an Bischof Bode bemerkte: „Zu den Punkten, an denen Sie sagten, darüber müsse man einen eigenen Vortrag halten, würden wir sie gern auch noch mal hören…“

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Was den Glauben angeht, bin ich ein bisschen aus der Art geschlagenIch bin froh, dass ich nicht gleich nach dem Abitur ins Kloster gegangen binEs war wie Liebe auf den ersten BlickEigentlich wollte ich ganz viele KinderGeschehenlassen ist etwas rhythmisches

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