Worte für Heute: Seid der Vorsehung nicht zu sehr behilflich

„Seid der Vorsehung nicht zu sehr behilflich; sie weiß, was uns gut ist.“
„Gott wird für morgen sorgen.“Maria Magdalena Postel

Worte für Heute, letzter Teil

Schwester Maria Andrea Stratmann SMMP

Schwester Maria Andrea Stratmann SMMP

Auf der Höhe der Zeit sein, das ist heute eine wichtige Maxime. Man muss die neuesten Trends kennen, gut informiert sein in vielerlei Hinsicht, um mitreden zu können. Da ist es verständlich, wenn Worte aus vergangenen Zeiten schnell als veraltet abgetan werden.

Schaut man jedoch genauer hin, so entdeckt man die bleibende Bedeutung, ja ein Stück Weisheit in Aussagen aus früheren Zeiten. Jede Zeit prägt die Ansichten, Lebensperspektiven und Grundsätze ihrer Generation.

Aber in allem Wandel gibt es Bleibendes.

Das 200jährige Bestehen der Gemeinschaft der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel (1807 – 2007) war für Schwester Maria Andrea Stratmann Anlass, Worte und Gedanken, die uns von der hl. Maria Magdalena Postel erhalten sind, neu zu bedenken. Sie sind vielfach eine Aktualisierung biblischer Aussagen für ihre Zeit. Uns kann das ermutigen, Gottes Wort für unsere Zeit neu zu entdecken und umzusetzen. Maria Magdalenas Überlegungen können uns dabei Hilfe sein.

Täglich werden wir angehalten, Vorsorge zu treffen für den Fall der Fälle. Um Vorsorgemaßnahmen im gesundheitlichen Bereich geht es ebenso wie um Altersvorsorge und finanzielle Absicherung in jeder Hinsicht.

Natürlich können wir die Hände nicht einfach in den Schoß legen und abwarten, was kommt, in der Hoffnung, es wird schon nicht so schlimm werden.

In einer Zeit, da das Sozialnetz brüchiger geworden ist, sind Vorsorgemaßnahmen in mancher Hinsicht einfach notwendig, vor allem, wenn man nicht nur für sich selbst, sondern auch für eine Familie Verantwortung trägt. Ein gesundes Maß an Vor-Sorge ist deshalb sicherlich notwendig.

Maria Magdalena spricht nicht von Vorsorge, sondern von der Vorsehung, von Gott. Wir sollen Gott nicht zu sehr behilflich sein mit allem Planen und Kalkulieren. Ihr Grundansatz lautet: Habt Vertrauen! Weil Gott um uns weiß, müssen wir nicht ängstlich besorgt sein. Er liebt uns und ist daran interessiert, dass es uns gut geht.

Jesus selbst fordert die Jünger auf, nicht ängstlich darum besorgt zu sein, dass Essen und Trinken, Kleidung und Gesundheit abgesichert sind. „Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?“ (Mt 6,27) Damit lehnt Jesus nicht notwendiges Sorgen ab. Aber er möchte, dass Menschen, die aus dem Glauben zu leben versuchen, nicht krampfhaft sorgen, weil sie meinen, es allein leisten zu müssen.

An dieses Wort Jesu mag Maria Magdalena denken, wenn sie auffordert, Gott nicht zu sehr „behilflich“ zu sein, weil er weiß, was wir brauchen. Dahinter steht die Verlagerung der Sorge auf das eigentlich Wichtige, wie Jesus sie fordert: „Euch aber muss es zuerst um Gottes Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33)

Es gilt also, Prioritäten zu setzen, „zuerst“ nach Gottes Willen zu fragen und von dort aus dann die Dinge des Alltags zu regeln. Und das alles in einem grenzenlosen Vertrauen, dass Gott uns nicht im Stich lässt.

Ob wir vielleicht das eigentlich Geforderte erst dann – oder doch besser – erkennen, wenn wir zuerst auf Gott schauen und nach seiner Wegweisung fragen?

Maria Magdalena treibt das Vertrauen auf die Vorsehung gleichsam auf die Spitze, wenn sie sagt: „Gott wird für morgen sorgen.“

Da mag sich Widerspruch regen bei uns, wenn wir hören: „Gott wird für morgen sorgen.“ Wer stellt denn morgen das Essen auf den Tisch, wenn wir selbst es nicht tun? Wer kümmert sich darum, dass die Kinder einen guten Ausbildungsplatz erhalten…, wenn nicht wir?

Kann Vertrauen auf Gott so weit gehen? Für Maria Magdalena – ja, denn sie nimmt Gott beim Wort: „Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“ (Mt 6,34)

Eine solche Haltung kann für uns heute bedeuten: Tun wir, was in unseren Möglichkeiten steht; aber tun wir es unverkrampft, und vertrauen wir zugleich, dass Gott unser Tun begleitet mit seinem Segen.

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