SMMP noch stärker als „Marke“ etablieren

Bei der Frühjahrstagung im Bergkloster Bestwig tauschten sich leitende Schwestern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Marketing, Spiritualität und Umstrukturierungen aus

Bestwig. „Einen Austausch in dieser Intensität habe ich bei einem Unternehmen ähnlicher Größenordnung selten erlebt“, gestand Moderator und Unternehmensberater Roland Weigel nach der dreitägigen Betriebsleitertagung im Bergkloster Bestwig. Und auch die Münchener Psychologin und Unternehmensberaterin Dr. Eva Strasser attestierte den 50 leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Einrichtungen und Diensten der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel: „Von der Qualität Ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Veränderungsmanagement können sich selbst große Firmen, die bei uns Kunde sind, einiges abgucken.“

Marketing neu ausrichten

Allerdings gibt es auch genügend Themen, die eine derart konstruktive Zusammenarbeit erfordern: So bedarf das Marketing angesichts sich verändernder Herausforderungen in vielen Bereichen einer Neuausrichtung – auch unter Einbeziehung neuer Medien. Kommunikationsstrukturen sollen überdacht und umorganisiert werden. Und schließlich gilt es sowohl im Verwaltungsbereich als auch in den einzelnen Einrichtungen und Diensten noch mehr Synergie-Effekte zu nutzen – was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendigerweise vor große Herausforderungen stellt.

Hohe Identifikation

Generaloberin Schwester Aloisia Höing betonte in ihrem Grundsatzstatement am Dienstagmorgen, dass sich die Ordensgemeinschaft vor 15 Jahren sehr bewusst entschieden habe, die Einrichtungen und Dienste trotz der zurückgehenden Zahl von Ordensschwestern weiterzuführen und weltlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in zunehmendem Maße Leitungsverantwortung zu übertragen: „Weniger Ordensschwestern muss ja nicht bedeuten: weniger Qualität. Und letztlich entspricht die Ausweitung des Engagements auch dem Sendungsbewusstsein unserer Gründerin, der hl. Maria Magdalena Postel.“ Dieser Verantwortung bleibe sich die Gemeinschaft bis heute bewusst: Das Jubiläumsjahr habe deutlich gemacht, dass sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Träger identifizieren. Diese Partizipation, die Atmosphäre der Offenheit und den christlichen Umgang miteinander gelte es darüber hinaus zu gewährleisten: „Dazu gehört auch der würdevolle Umgang miteinander in Konflikten, das Bemühen um Sachlichkeit und die Nutzung des kreativen Potenzials.“ Gerade angesichts neuer und ständig wachsender Herausforderungen käme der Atmosphäre von Barmherzigkeit und Gastfreundschaft eine immer größere Bedeutung zu. Und da sich Ordensleitung und Geschäftsführung der großen Belastung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst seien, müsse es auch Räume der Regeneration geben, fügte Schwester Aloisia hinzu.

Immer kürzere Halbwertszeit

Der Geschäftsführer der SMMP Einrichtungen und -Dienste, Ludger Dabrock, sprach dem hohen Engagement in vielen Bereichen ebenfalls seine Anerkennung aus: „Das können wir gar nicht hoch genug einschätzen.“ Gleichwohl gelte es die Vielfalt der übernommenen Aufgaben immer wieder zu überprüfen: „Die Halbwertszeit der Rahmenbedingungen wird immer kürzer.“ Im Hinblick auf die Umstrukturierungen, die es 2007 auch auf Ebene der Geschäftsführung und der neu installierten Geschäftsfeldleitungen gegeben habe, räumte er ein: „Da greifen noch nicht alle Räder ineinander.“

Bei den vielen „Baustellen“, die es in den verschiedenen Bereichen sowohl inhaltlich als auch baulich gebe, gelte es Priorisierungen vorzunehmen. Eines der Themen, das in den nächsten Jahren stärker in den Fokus genommen werden soll, ist die Neuausrichtung des Marketings. Hierzu referierte der Geschäftsführer der Werbeagentur „wwsc“ aus Weimar, Carsten Tesch, am ersten Tag der Betriebsleitertagung. Er empfahl: „Die Internationalität der Ordensgemeinschaft ist ein Merkmal, mit dem Sie viel stärker arbeiten müssen.“

Auf Kernbotschaften konzentrieren

Der Name seiner Werbeagentur stehe für „wash with similar colours“, was übersetzt heißt: Waschen mit ähnlichen Farben. „Nicht nur, dass Sie in den nächsten Tagen vermutlich öfter an mich denken werden, wenn Sie ihre Waschmaschine füllen. Dieser Name steht auch für unsere Arbeit. Wir wollen das Ungenaue herauswaschen und uns auf Kernbotschaften konzentrieren.“ Diese Profilbildung sei bei SMMP noch nicht abgeschlossen. Am Beispiel der Seniorenhilfe-Einrichtungen, für die Carsten Tesch in den letzten Monaten schon intensiv gearbeitet hat, machte er deutlich, dass SMMP da, wo es kein Alleinstellungsmerkmal gibt, auf eine Alleinstellungsargumentation zur Qualität der Pflege hinarbeiten müsse. Der spirituelle Geist müsse darin als ein wesentlicher Faktor Berücksichtigung finden. „Dabei sind die Ordensschwestern in Ihren Einrichtungen durchaus ein `Verkaufsargument`“, drückte sich Carsten Tesch bewusst in der Sprache des Marketing-Experten aus. Schließlich erreiche man auf diese Weise die Befindlichkeiten der Menschen. „Denn bedenken Sie, dass sich ein gesunder Mensch nur ungern mit den Leistungen von Senioren- oder Gesundheitshilfe auseinander setzt. Er tut es erst dann, wenn es notwendig ist.“ Also wenn er leide. „Sie verfügen da über eine große Qualität. Aber noch fehlt der Schritt, für diese Praxis auch die richtigen Worte zu finden.“ Und zwar in einer Sprache, die näher am Menschen ist, Geschichten erzählt – und nicht nur Daten und Fakten nennt.

Rollenvorbild Jürgen Klinsmann

Das Thema der Kommunikation nach innen und außen spielte auch an den folgenden beiden Tagen eine wichtige Rolle. Da stellte Dr. Eva Strasser von der Unternehmensberatung Strasser und Strasser aus München am Beispiel der Erfolgsgeschichte von Jürgen Klinsmann bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 die „acht Hebel der Veränderung“ vor. In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Wirkungsweise dieser Hebel für ihre alltägliche Arbeit. Unter der Fragesstellung „Wie bringe ich mein Team in Weltmeisterform?“ beschäftigten sie sich mit ihren Erwartungen und Zielen, den Rollenvorbildern, den Möglichkeiten der Partizipation, aber auch Mechanismen von Erfolgskontrolle, und Konsequenzen – ob Sanktion oder Belohnung.

Zahlreiche „Baustellen“

Zuvor hatten Schwester Aloisia Höing und Geschätsführer Ludger Dabrock in aller Offenheit deutlich gemacht, wo die Ordensgemeinschaft mit ihren Einrichtungen und Diensten ihrer Einschätzung nach steht. Dabei benannte der Geschäftsführer auch die „Baustellen“, die es derzeit gibt:

So verändere sich die Verwaltungsstruktur für die Einrichtungen und Dienste zum 1. April mit der geschäftsfeldübergreifenden Zusammenlegung der Bereiche Controlling und Finanzsteuerung, Personalwesen und Rechnungswesen. Geleitet werden sie (in derselben Reihenfolge) von Olav Finkermann, Aloys Häger und Ursula Buschmann. „Wir setzen also den Weg fort, den Schwester Maria Dolores Bilo im Bildungsbereich vor zwei bis drei Jahren begonnen hat“, erklärte Ludger Dabrock. Grund für die Zusammenlegung sei keinesfalls die Unzufriedenheit mit der bisherigen Arbeit, „sondern dass wir uns besser vertreten und voneinander lernen können, wenn wir die Bereiche in ein System überführen.“

Reaktion auf schwankende Auslastung

In der Seniorenhilfe hätte die schwankende Auslastung der stationären Einrichtungen dazu geführt, dass flexible Arbeitsverträge eingeführt wurden. Vergleiche mit einer „Amerikanisierung“ der Arbeitsverhältnisse lehnte der Geschäftsführer aber ab, zumal er den Schritt für alle verständlich begründen konnte: „Wenn Sie in einer stationären Einrichtung innerhalb einer Woche zwei Bewohner mit Pflegestufe 3 verlieren und stattdessen nur einer mit Pflegestufe 1 nachkommt, müssen wir darauf flexibel reagieren können.“ Die Folge sei andernfalls, dass es einen Überbedarf an Personal gebe, der nicht refinanziert werden könne. Längst sind die Einrichtungen nicht immer vollständig belegt. In Geseke, Diestedde und Wadersloh seien zeitweilig bis zu zehn Plätze frei gewesen. „Wenn wir da keine flexiblen Arbeitsverträge gehabt hätten, wären diese Einrichtungen nicht mehr am Markt“, betonte Ludger Dabrock. Er unterstrich aber auch: „Die so genannten Flexi-Verträge führen wir nur bei denjenigen ein, die mehr als eine halbe Stelle haben.“ Und natürlich unterscheide man bei der Anwendung der Arbeitszeitreduzierung, ob es sich um eine alleinerziehende Mutter handelt oder eine Pflegekraft, deren Ehepartner ebenfalls gut verdient – „da sind wir uns unserer sozialen Verantwortung bewusst“.

Für das Haus Maria in Geseke und das Haus St. Martin in Herten-Westerholt würden bald Architekturwettbewerbe geschrieben, um die Einrichtungen zu modernisieren und umzubauen. Der Neubau des Hauses St. Josef in Wadersloh soll noch in diesem Jahr beginnen und 2009 abgeschlossen werden.

Politische Entwicklung bedenklich

Im Geschäftsfeld Bildung und Erziehung stellten die Umstellung auf das Abitur in zwölf Jahren, veränderte politische Verhältnisse und der demografische Wandel die größten Herausforderungen dar. „Das Abitur in zwölf Jahren bedeutet mehr Ganztagsunterricht und –Betreuung. Folglich müssen wir auch bauliche Voraussetzungen ändern – wie die Größe der Caféterien“, nannte Ludger Dabrock ein Beispiel. Mit Sorge betrachtet er die politische Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen, wo sich die Mehrheitsverhältnisse in den Landtagen schon geändert haben und bald ändern können: „Auch da werden wir oft wieder umdenken müssen. Denn die Schulpolitik der Parteien unterscheidet sich erheblich.“

Schon jetzt habe ein neues Schulgesetz in Thüringen erhebliche Konsequenzen: Für die Katholische Berufsbildende Schule in Heiligenstadt seien einige Bildungsgänge nicht mehr finanzierbar – weswegen man vier angestellten Lehrern kündigen müsse. „Es gelingt uns aber, allen einen Ersatz in anderen Einrichtungen anzubieten“, unterstrich Geschäftsfeldleiter Michael Bünger.

Neuer „Kopf“ für die Kaholischen Kliniken Lahn

In der Gesundheitshilfe stellten die Einführung des Qualitätsmanagements und die finanzielle Absicherung die größten Aufgaben an der Katholischen Kliniken Lahn GmbH dar, zu der das Marienkrankenhaus in Nassau und die Hufeland-Klinik Bad Ems gehören. Dieser Klinikverbund solle auch wieder einen „Kopf“ bekommen, der eine aufgewertete kaufmännische Funktion übernimmt, kündigte Ludger Dabrock an – zumal Heike Schmidt-Teige als bisherige kaufmännische Direktorin bald eine neue Aufgabe in Bestwig annehmen wird.

Der Klinikverbund Katholische Kliniken Haltern-Marl-Westerholt, zu dem das Gertrudishospital gehört, erhalte demnächst Zuwachs von einem vierten Partner: dem Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten. „Wir haben aber das Gefühl, dass das wächst“, so die Einschätzung von Ludger Dabrock.

Katholische Berufsbildene Bergschule zertifiziert

Natürlich gebe es auch Erfolgsmeldungen: Als zweite Schule in Deutschland überhaupt hat die Katholische Berufsbildende Bergschule in Heiligenstadt die erste Stufe des Zertifizierungsprozesses nach EFQM (Europäische Gesellschaft für Qualität) abgeschlossen und dafür das Prädikat „Committed to Excellence“ erhalten (siehe auch: Neuigkeiten). Am Gertrudis-Hospital konnte Ende Februar die neue zentrale Patientenaufnahme nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht werden (siehe Homepage der Katholischen Kliniken). Und im November sei die neue ambulant betreute Wohngemeinschaft St. Franziskushaus in Oelde erfolgreich gestartet, berichtete Geschäftsfeldleiterin Andrea Marx. Dies sei um so wichtiger, als dass sich das Angebot der Seniorenhilfe in den nächsten Jahren noch weiter auffächern werde. Dafür habe diese Einrichtung Modellfunktion (siehe auch: Neuigkeiten)

Fundraising wird immer wichtiger

Entscheidend für die Zukunft sei auch die Ausweitung des Fundraisings, erklärte Generaloberin Schwester Aloisia Höing. Der Begriff „Fundraising“ meint die kontinuierliche Unterstützung von Aufgaben und Projekten durch Spender und Partner, wie sie auch für die Familienpatenschaften in den Missionsländern gefunden werden. Auch viele Projekte in Bolivien, Brasilien, Rumänien und Mosambik würden auf diese Weise schon finanziert. „Als nächstes muss es gelingen, diesen Unterstützungswillen auf Deutschland zu übertragen“, sagte Schwester Aloisia. Da gebe es ebenfalls spannende Herausforderungen wie das Arbeitslosenprojekt „Manege“ in Zusammenarbeit mit den Salesianern Don Boscos in Berlin-Marzahn.

Einrichtungen sollen Gewinne erwirtschaften

Über Spenden, Partner, Fördervereine und kreative Ideen müssten auch die Einrichtungen und Dienste in Zukunft stärker unterstützt werden. Finanzvorstand Christian Uhl führte aus: „Unsere Einrichtungen müssen in die Lage versetzt werden, wieder Gewinne zu erwirtschaften, um eigene Investitionen zu finanzieren.“ Naturgemäß funktioniere das an den Schulen nur sehr bedingt. Ebenso wie in der Jugendarbeit, die immer defizitär bliebe, der Ordensgemeinschaft als Träger aber sehr wichtig sei. Doch auch hierfür müssten neue Geldquellen gefunden werden, betonte Christian Uhl. Möglichkeiten stellten das so genannte Bußgeld- und das Erbschaftsmarketing dar. Im Rahmen des Bußgeldmarketings würden Richter angeschrieben, die Geldauflagen aus Prozessen an caritative Einrichtungen weiterleiten. Das Erbschaftsmarketing soll Interessenten Möglichkeiten aufzeigen, ihr Erbe oder einen Teil davon der Ordensgemeinschaft zu überlassen. „Vor demselben Hintergrund haben wir am 8. September des letzten Jahres auch die Bergkloster Stiftung SMMP gegründet“, erklärte der Finanzvorstand.

Viele Antworten und viele Fragen

Die Frühjahrstagung hat also eine Menge Fragen beantworten können, aber genauso viele Handlungsfelder aufgezeigt. Der Zusammenhalt und die gute Gesprächsatmosphäre wurden in der Abschlussrunde noch einmal gelobt. Dazu hatte auch das Rahmenprogramm am Dienstagabend beigetragen, als die Gruppe den größten Hindu-Tempel Kontinental-Europas in Hamm-Uentrop besichtigte. Der Ausflug endete mit einem Abendessen im Hotel Bomke in Wadersloh.

Der Gesamtvorstand der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel mit Geschäftsführung, Ordens- und Provinzleitung will sich bei seinem nächsten Treffen im Mai ausführlich mit der Weiterentwicklung der behandelten Themen und Fragen befassen. Der Punkt Kommunikation soll dabei im Mittelpunkt stehen.

Zu einem konstruktiven Meinungsaustausch über die wesentlichen Zukunftsthemen trafen sich vom 10. bis zum 12. März über 50 leitende Ordensschwestern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Einrichtungen und Diensten der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel im Bergkloster Bestwig. Dabei gaben Generaloberin Sr. Aloisia Höing (zweites Bild von oben mit Generalassistentin Sr. Adelgundis Pastusiak) und Geschäftsführer Ludger Dabrock (Bild darunter) ausführliche Stellungnahmen zu der Frage „Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?“. Der Geschäftsführer der Werbeagentur „wwsc“, Carsten Tesch, referierte am Montag über das Thema Marketing. Am Dienstag und Mittwoch stand das Veränderungsmanagement im Vordergrund. Dabei stellte die Psychologin und Unternehmensberaterin Dr. Eva Strasser die „acht Hebel der Veränderung“ vor. Darüber tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch noch innerhalb ihrer Geschäftsfelder aus. Die Ergebnisse wurden von den Moderatoren (wie Christoph Schwake, drittes Bild von unten) präsentiert. Schwester Aloisia (vorletztes Bild) stellte die Resultate aus der Runde der Ordensleitung mit Geschäftsführung und Geschäftsfeldleitern vor. Schließlich fasste Moderator Roland Weigel, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens „Konkret Consult Ruhr“ aus Gelsenkirchen, die Ergebnisse zusammen. Alle Fotos: SMMP

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